Scottish Mortgage Investment kauft seit Monaten eigene Aktien zurück, um die Lücke zwischen Börsenkurs und tatsächlichem Portfoliowert zu schließen. Der Rabatt wächst trotzdem weiter. Das wirft die Frage auf, ob das Problem tiefer liegt als bei der Kapitalstruktur.

Am Montag erwarb der Trust weitere 500.000 Stammaktien zu je 1.333,10 Pence. Die Papiere wandern ins Treasury-Depot, die Gesamtzahl der dort gehaltenen Aktien steigt damit auf 411.558.993. Es ist nur die jüngste Aktion in einer langen Reihe von Rückkäufen.

Der Effekt bleibt bislang überschaubar. Der Abschlag zum Nettoinventarwert liegt aktuell bei rund 10,9 Prozent. Der Markt bewertet die Wachstumswerte im Portfolio also spürbar niedriger, als es die interne Kalkulation des Trusts vorsieht.

SpaceX dominiert, Tesla verschwindet

Ein Grund für die Skepsis der Anleger dürfte die extreme Konzentration auf eine einzelne Position sein. SpaceX macht mittlerweile 25,7 Prozent des Portfolios aus. Seit dem Börsengang des Raumfahrtunternehmens im Juni 2026 schwankt der Kurs heftig: Nach dem Debüt bei 135 Dollar kletterte die Aktie zwischenzeitlich auf 176,52 Dollar, ist inzwischen aber auf etwa 115 Dollar zurückgefallen. Bei einem Viertel des Portfolios in einem einzigen, hochvolatilen Titel schlägt jede Korrektur direkt auf den Nettoinventarwert durch.

Parallel dazu vollzieht das Management einen historischen Schnitt bei Tesla. Investmentspezialistin Chloé Darling-Stewart und Lead Manager Tom Slater haben die Position nach 13 Jahren drastisch reduziert. Tesla macht nun weniger als 1 Prozent des Portfolios aus. Die Begründung: Das Chance-Risiko-Verhältnis habe sich im Vergleich zu neuen Wachstumsfeldern verschoben.

Wette auf die „Agentic Era“

Der Rückzug aus Tesla ist Teil einer größeren Neuausrichtung. Scottish Mortgage verschiebt den Fokus in Richtung dessen, was die Manager die „Agentic Era“ der künstlichen Intelligenz nennen. Im Zentrum steht nicht mehr nur Software, sondern die physische Infrastruktur dahinter.

Die Manager identifizieren den explodierenden Strombedarf als zentrales Thema der kommenden Jahre. Sie suchen deshalb gezielt nach Hardware- und Energielösungen für den massiven Ausbau von Rechenzentren. Ein Baustein dabei: weltraumgestützte Infrastruktur für globale Rechenkapazitäten, gestützt auf die Raketentechnik von Portfoliofirmen wie SpaceX.

Kurs unter Druck, Jahresbilanz bleibt positiv

Die Aktie notiert aktuell bei 15,47 Euro und büßt im heutigen Handel 1,53 Prozent ein. Über die vergangenen 30 Tage hat der Kurs 6,69 Prozent verloren, liegt damit gut 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 19,50 Euro aus dem Mai. Der SpaceX-Rückschlag dürfte an dieser Schwäche einen erheblichen Anteil haben.

Auf Jahressicht bleibt die Bilanz dennoch deutlich positiv: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 13,04 Prozent zu Buche. Kurzfristiger Gegenwind und langfristige Wertentwicklung fallen bei diesem Trust derzeit spürbar auseinander.

Die Halbjahreszahlen im November 2026 dürften zeigen, wie viel Kapital der Trust inzwischen in seine privaten Beteiligungen gesteckt hat — und ob sich die neue Ausrichtung auf Energie- und Weltrauminfrastruktur bereits in der Portfoliostruktur niederschlägt.