Ein einzelner Börsengang hat das Risikoprofil eines ganzen Investmentvehikels verändert. SpaceX macht nach dem Sprung an die Börse jetzt mehr als ein Viertel des gesamten Portfolios von Scottish Mortgage Investment Trust aus. Für die Anteilseigner bedeutet das: Der Kurs hängt zunehmend an einem einzigen Namen.
SpaceX-Börsengang verschiebt die Gewichte
Aktuelle Portfoliodaten aus dem Juli zeigen eine SpaceX-Gewichtung von 25,7 Prozent im Trust. Das Management bezeichnete den Börsengang in seinem Quartalsupdate als „historischen IPO“ für das Raumfahrtunternehmen. Damit ist SpaceX zum mit Abstand größten Werttreiber für den Nettoinventarwert des Trusts geworden.
Der Börsengang hat den Wert der Beteiligung sichtbar gemacht. Er hat aber auch die Schwankungsbreite erhöht. Solange SpaceX privat gehalten wurde, erfolgte die Bewertung nur sporadisch. Jetzt bewegt sich der Kurs im Rhythmus des öffentlichen Handels – mit allen Ausschlägen, die dazugehören.
Kurswechsel Richtung „Agentic AI“
Parallel zur SpaceX-Entwicklung vollzieht das Management unter Lawrence Burns und Tom Slater einen strategischen Schwenk. Im Fokus steht künftig die „agentische Ära“ der künstlichen Intelligenz. Die Manager betonen: Der Blick richtet sich weg von Chips und Software, hin zur physischen Infrastruktur und zum Strombedarf, den fortschrittliche KI-Modelle brauchen.
Diese thematische Neuausrichtung läuft neben einer bereits erweiterten Investitionsstrategie. Die Aktionäre hatten zuvor zusätzliche 250 Millionen Pfund für nicht börsennotierte Beteiligungen freigegeben. Das Management kann damit private Wachstumsunternehmen weiter unterstützen, selbst wenn die Gesamtquote solcher Investments die übliche 30-Prozent-Grenze übersteigt.
Kurs unter Druck, Bewertung günstig
Die Aktie notiert aktuell bei 15,24 Euro und liegt damit 21,82 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 19,50 Euro aus dem Mai. Der 14-Tage-RSI ist auf 33,1 gefallen und nähert sich damit der überverkauften Zone. Das deutet auf erschöpften Verkaufsdruck hin, nicht zwingend auf eine Trendwende.
Trotz der Kursschwäche hält der Trust an seinem Rückkaufprogramm fest und kaufte zuletzt weitere eigene Anteile für das Treasury zurück. Der Discount zum Nettoinventarwert bewegt sich je nach Bewertungsmodell zwischen 8,8 und 11 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Substanz des Portfolios aktuell nicht voll einpreist.
Infrastruktur und Strombedarf als nächstes Thema
Für den weiteren Jahresverlauf richten die Spezialistenteams des Trusts den Blick auf die Stromversorgung als Engpass für das digitale Wachstum. Neue Positionen entstehen bei Unternehmen aus der Energieverteilung und bei Anbietern effizienter Hardware. Der Ansatz soll die Technologie-Exponierung breiter aufstellen, die sich zuletzt stark auf wenige Überzeugungspositionen wie SpaceX konzentriert hat.
Ob diese Diversifizierung die Abhängigkeit von einer einzelnen Beteiligung tatsächlich verringert, bleibt eine Frage der kommenden Quartale. Fest steht: Mit einem Viertel des Portfolios in einem einzigen, jetzt börsennotierten Namen trägt Scottish Mortgage ein Konzentrationsrisiko, das es in dieser Form zuvor nicht gab.
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