Die neuen Gespräche in Oslo bringen die ukrainische Führung und Washington an einen Tisch, doch die tiefen Gräben zwischen den Regierungen dämpfen die Aussichten auf eine Annäherung. Bei dem Treffen in der norwegischen Hauptstadt verhandelt Präsident Wolodymyr Selenskyj mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff über Wege zu einer diplomatischen Lösung. Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre und Finnlands Präsident Alexander Stubb nehmen ebenfalls teil, während der Berater Jared Kushner digital zugeschaltet ist. Witkoff soll mögliche Ergebnisse im Anschluss nach Moskau übermitteln.
Wachsender Druck aus Washington
Hinter den Kulissen steht die Beziehung zwischen Washington und Kiew unter starkem Druck. US-Präsident Donald Trump warf der Ukraine unzureichende Gegenleistungen für die bisherige Unterstützung vor und kritisierte Selenskyjs Haltung bei den Friedensbemühungen. Gleichzeitig stocken wichtige militärische Hilfen. Es stehen Vorwürfe im Raum, wonach bezahlte Lieferungen von Patriot-Luftabwehrraketen nicht freigegeben wurden, was Regierungsvertreter in Washington jedoch zurückweisen.
Die Verunsicherung reicht tiefer. Kiew registriert gedrosselte Starlink-Verbindungen sowie ausbleibende Frühwarnungen vor russischen Raketenstarts. Währenddessen sucht die US-Regierung eigene Vereinbarungen mit Moskau, darunter Abkommen über Dieselkäufe. Selenskyj kritisierte diesen Kurs zuletzt deutlich und warf der Führung im Weißen Haus eine kremlfreundliche Haltung vor.
Parallele Gespräche der Großmächte
Washington verfolgt parallel eine globale Agenda mit Moskau und Peking. Trump stellte ein Dreiertreffen mit Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping in Aussicht, um über nukleare Abrüstung und den Ukraine-Krieg zu beraten. Ein solches Format könnte im November am Rande des Apec-Gipfels im chinesischen Shenzhen stattfinden.
Moskau zeigte sich offen für Verhandlungen über Rüstungskontrolle, verwies in der Ukraine-Frage jedoch direkt auf die Kontakte mit Witkoff. Aus Peking liegt bislang keine Bestätigung für einen solchen Gipfel vor. Die diplomatische Initiative in Oslo zeigt, wie eng die Lösung des Regionalkonflikts inzwischen mit den strategischen Absprachen zwischen den Großmächten verknüpft ist. Witkoffs anschließende Reise nach Moskau wird den nächsten Hinweis darauf liefern, ob die norwegische Vermittlungsrunde konkrete Verhandlungsgrundlagen geschaffen hat.


