Die Frist ist abgelaufen. Am Freitagnachmittag endete das Übernahmeangebot der B&C Holding für den Kautschukspezialisten Semperit. Nun wartet der Markt auf die offizielle Annahmequote. Diese Zahl entscheidet über die Zukunft der verbleibenden Aktionäre.

Der Großaktionär hält bereits mehr als 58 Prozent der Anteile. B&C bot 15 Euro je Aktie für ein millionenschweres Paket. Die Aktie reagierte kaum und schloss am Freitag bei 14,90 Euro.

Eine wichtige Hürde nahm der Deal bereits. Der österreichische Leitindex ATX fiel nicht unter die kritische Marke von 2.671 Punkten. Damit erklärte B&C das Angebot für rechtswirksam.

Squeeze-out und Prime-Segment

Sobald B&C die Annahmequote veröffentlicht, bestimmt diese Zahl den weiteren Kursverlauf. Ein sofortiges Delisting plant B&C zwar nicht. Die Einschränkung: Ab einem Anteil von 90 Prozent schließt der Großaktionär einen Squeeze-out nicht mehr aus.

Parallel dazu droht der Rauswurf aus dem Prime-Segment der Wiener Börse. Fällt der Streubesitz zu stark, erfüllt Semperit die Mindestanforderungen für den amtlichen Handel nicht mehr. B&C begründet den Vorstoß mit dem historisch schwachen Börsenhandel.

Ausgerechnet kurz vor dem Ende der Frist zeigte der Markt ungewöhnlich hohe Aktivität. Das Handelsvolumen lag zuletzt 133 Prozent über dem Jahresdurchschnitt.

Gespaltener Vorstand, starke Zahlen

Die Führung von Semperit zeigte sich tief gespalten. Vorstandsmitglied Manfred Stanek wollte das Angebot annehmen. Sein Kollege Helmut Sorger lehnte den Verkauf ab. Beide verwiesen auf den Buchwert von 20,20 Euro je Aktie. Das Gebot liegt deutlich darunter.

Die operativen Daten lieferten den Kritikern des Deals Rückenwind. Semperit steigerte den Umsatz im ersten Quartal auf 163,7 Millionen Euro. Das operative Ergebnis sprang auf 26,8 Millionen Euro.

Damit verbesserte sich die Profitabilität des Unternehmens deutlich. Das Ergebnis nach Steuern drehte auf 8,9 Millionen Euro. Hinzu kam ein positiver freier Cashflow von 13,1 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr hält das Management Kurs. Der Vorstand erwartet ein operatives Ergebnis von rund 95 Millionen Euro. Eine Dividende für 2025 schließt die Führung aus. Das Unternehmen steckt das Geld stattdessen in Automatisierung und Wachstum.

Liegt die eingesammelte Beteiligung deutlich unter der 90-Prozent-Schwelle, bleibt der Streubesitz voraussichtlich erhalten. Dann rücken die Fundamentaldaten wieder in den Fokus. Erreicht B&C die kritische Marke, droht der Squeeze-out. Anleger blicken dabei auf ein solides Polster: Seit Jahresbeginn verzeichnet die Semperit-Aktie ein Plus von fast 21 Prozent.