Enterprise-Software-Aktien erlebten den schlimmsten Quartalseinbruch seit 2008. Der Sektor verlor fast 25 Prozent. ServiceNow stürzte um 32 Prozent ab. Die These dahinter: Wenn KI Code schreibt und Kundenservice automatisiert, wozu noch teure SaaS-Lizenzen bezahlen?
Kaum zwei Monate später ist diese These vom Tisch. Der Sektor legte in drei Tagen 15 Prozent zu – die beste Dreitagesrally aller Zeiten. ServiceNow schoss in vier Sitzungen um fast 40 Prozent nach oben, der stärkste Lauf der Aktiengeschichte.
Die Rally und ihre Treiber
Am Montag sprang ServiceNow um 9,2 Prozent auf 135,86 Dollar. Nvidia-CEO Jensen Huang hatte Enterprise-Softwareunternehmen eine klare Unterstützung ausgesprochen. Die Botschaft: KI beschleunigt die Softwarnachfrage, statt sie zu zerstören.
Doch der Run hatte schon früher begonnen. ServiceNow gewann an einem Tag 14,4 Prozent – der größte Tagesgewinn seit über einem Jahr. Auslöser: Dells hervorragende Quartalszahlen. Sie lösten eine Neubewertung des gesamten Sektors aus. Hinzu kam: ServiceNow selbst hatte die Q1-Erwartungen übertroffen. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,97 Dollar, die Analysten hatten 0,80 Dollar erwartet – ein Plus von 21 Prozent. Die Prognose für das Gesamtjahr: 15,74 bis 15,78 Milliarden Dollar Abonnementumsatz, rund 22 Prozent Wachstum.
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Snowflake als Wegbereiter
Ein zentraler Katalysator war der Plattformpartner Snowflake. Dessen Rekordquartal zeigte: Unternehmen setzen KI im großen Stil ein, statt Software zu streichen. Dell bestätigte den Trend: Firmen investieren massiv in komplette KI-Infrastruktur.
ServiceNow und Snowflake sind über eine Zero-Copy-Integration verbunden. Snowflake-Daten fließen direkt in ServiceNow-Workflows. Was Snowflake an KI-Wachstum meldet, ist für ServiceNow ein direktes Signal – kein Stimmungsgeschäft.
Die neue Rolle: KI-Orchestrator
ServiceNow steuert IT, Personalabteilung, Kundenservice und Workflow-Automatisierung. Genau das macht das Unternehmen im KI-Zeitalter wertvoll. Denn KI-Agenten brauchen jemanden, der sie koordiniert. Genehmigungen, Prüfpfade, Ausnahmen, Eskalationen – all das will ServiceNow als zentrale Schicht übernehmen.
Auf der Knowledge 2026 positionierte sich ServiceNow neu. Neue Produkte wie Autonomous Security and Risk, der erweiterte KI-Kontrollturm und die Öffnung der Action Fabric für externe Agenten zeigen: Das Unternehmen drückt KI tief in die Plattform.
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Partner-Ökosystem wächst
Boomi weitete seine Partnerschaft mit ServiceNow aus. Ziel: bessere Datenaktivierung, integriert in die ServiceNow Workflow Data Fabric. Das löst ein echtes Problem: Datenfragmentierung bremst KI-Skalierung im Unternehmen.
Auch Wipro kooperiert enger. Die Integration von Wipro Intelligence in die ServiceNow-KI-Plattform soll agentische KI-Workflows in IT und Personalabteilung ermöglichen.
Fundamentaldaten und Ausblick
Der Abonnementumsatz im ersten Quartal 2026 betrug 3,671 Milliarden Dollar, ein Plus von 22 Prozent. Für das zweite Quartal stellt das Management 3,815 bis 3,820 Milliarden Dollar in Aussicht. Das langfristige Ziel: über 30 Milliarden Dollar Abonnementumsatz bis 2030, bei freien Cashflow-Margen von über 30 Prozent.
Nach der historischen Rally gab es einen Rücksetzer. Am 2. Juni pendelte die Aktie zwischen 136,20 und 124,12 Dollar, schloss am unteren Ende. Auf Jahressicht notiert das Papier zwischen 81,24 und 211,48 Dollar. Die 39 Analysten, die ServiceNow bewerten, vergeben im Schnitt ein Kaufvotum bei einem Kursziel von 143 Dollar.
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