ServiceNow-Aktien schlossen am Freitag bei 108,00 Euro, ein Plus von 6,19 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht summiert sich der Kursgewinn auf 11,94 Prozent. Auslöser war eine breite Erleichterungsrally im Softwaresektor, nachdem Twilio und Atlassian mit starken Quartalszahlen überzeugten und Anleger neues Vertrauen in KI-getriebene Unternehmenssoftware fassten. Für ServiceNow kam dieser Rückenwind zu einer Zeit, in der das Unternehmen selbst mit einer neuen Produktoffensive Schlagzeilen macht.

„Autonomous Security“ als neue Antwort auf Cyberrisiken

Am Dienstag stellte ServiceNow mit „Autonomous Security“ eine Suite aus sechs KI-nativen Cyberabwehr-Lösungen vor. Kernstück ist ein „Vulnerability Resolution AI Specialist“, der Sicherheitsrisiken automatisiert eindämmen und beheben soll – in Maschinengeschwindigkeit und ohne manuelle Freigabeschleifen. Die Ankündigung fügt sich in die sogenannte „AI Control Tower“-Strategie des Unternehmens ein, die inzwischen 30 neue Integrationen mit Partnern wie Amazon Web Services, Google Cloud, Microsoft Azure, SAP und Oracle umfasst. ServiceNow positioniert sich damit zunehmend als zentrale Schaltstelle für autonome KI-Agenten in Unternehmensnetzwerken, statt lediglich Werkzeuge für einzelne Abteilungen bereitzustellen.

Analysten bleiben zuversichtlich

Von Analystenseite gab es zuletzt zustimmende Signale. DA Davidson bestätigte am Freitag seine Kaufempfehlung für die Aktie. Bereits am 3. August hatte das Analysehaus BTIG sein Kursziel von 150,00 US-Dollar mit einer Kaufempfehlung bekräftigt und die Einschätzung mit einer Kapitalrotation von Hardware- zu Softwareplattformen begründet. Beide Häuser stützen damit die Erzählung, dass institutionelles Kapital verstärkt in Plattformanbieter mit KI-Fokus fließt – eine Entwicklung, von der ServiceNow als einer der größeren Namen im Segment profitieren könnte.

Diese Einschätzungen fallen in eine Phase, in der auch auf Fondsseite Bewegung zu beobachten ist. Gleichzeitig zeigt sich bei den Insidern ein gegenläufiges Bild, das Anleger im Blick behalten sollten.

Institutionelle Käufe treffen auf Insider-Verkäufe

Die Tschechische Nationalbank erhöhte Medienberichten zufolge am Samstag ihren Anteil an ServiceNow-Aktien, während Assenagon Asset Management bereits am Freitag neu in das Papier eingestiegen war. Gegenläufig verkauften Insider des Unternehmens in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 1,9 Millionen US-Dollar – Käufe aus den eigenen Reihen blieben in diesem Zeitraum vollständig aus. Diese Diskrepanz zwischen wachsendem institutionellem Interesse und fehlenden Insiderkäufen ist kein ungewöhnliches Muster bei stark gelaufenen Technologiewerten, verdient aber Beobachtung.

Personalwechsel und Blick auf den Kalender

Auf der Personalseite ernannte ServiceNow bereits am 3. August Simon Mouyal zum neuen Chief Marketing Officer. Anleger richten den Blick zudem auf kommende Termine: Finanzvorstand Gina Mastantuono tritt am 27. August bei der Deutsche Bank Technology Conference auf. Wenige Wochen später, am 9. September, sind CEO Bill McDermott und Mastantuono getrennt bei der Goldman Sachs Communacopia Conference beziehungsweise der Citi Global TMT Conference angesetzt. Beide Auftritte dürften weitere Details zur Entwicklung des KI-Geschäfts liefern, nachdem das Unternehmen zuletzt sein Auftragsvolumen in diesem Bereich deutlich ausgebaut hatte.