Shell liefert für das dritte Quartal Zahlen, die den Markt positiv überraschen. Der bereinigte Gewinn hat sich nahezu verdoppelt, die Aktie markierte im frühen Londoner Handel ein neues 52-Wochen-Hoch. Hinter dem Sprung stehen vor allem zwei Treiber: außergewöhnlich starke Raffineriemargen und höhere Preise für Flüssigerdgas.

Gewinn über den Erwartungen

Der bereinigte Gewinn lag bei 10,8 Milliarden Dollar, nach 5,4 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Analysten hatten im Schnitt mit rund 10,3 Milliarden Dollar gerechnet. Einen höheren Quartalsgewinn erzielte der Konzern zuletzt 2022, als der russische Einmarsch in die Ukraine die Energiepreise nach oben trieb.

Die Sparten Chemicals & Products und Integrated Gas legten deutlich zu. Der Umsatz übertraf mit 92,85 Milliarden Dollar ebenfalls die Prognosen. Auch beim Abbau der Nettoverschuldung kam Shell etwas stärker voran als erwartet.

Der Mittelzufluss fiel überraschend hoch aus, was vor allem an Derivategeschäften lag.

Mehr Geld für Aktionäre

Shell kündigt den sofortigen Start eines neuen Rückkaufprogramms über fünf Milliarden Dollar an. Das sind zwei Milliarden mehr als im Vorquartal. Bis zu drei Milliarden Dollar sollen über die Londoner Börse laufen, bis zu zwei Milliarden über niederländische Handelsplätze. Abgeschlossen sein soll das Programm vor den Zahlen zum vierten Quartal 2026.

Die Quartalsdividende steigt auf 0,3906 Dollar je Aktie, nach 0,3580 Dollar vor einem Jahr.

Rückenwind aus dem Markt

Die Raffineriemargen bewegten sich zuletzt auf historisch hohem Niveau. Im Vorfeld war von rund 42 Dollar je Barrel die Rede, im zweiten Quartal waren es noch etwa 24 Dollar. Die Erwartungen waren damit hoch, Shell übertraf sie dennoch. Marktbeobachter verweisen auf eingeschränkte globale Raffineriekapazitäten, die durch Konflikte im Nahen Osten und ukrainische Angriffe auf russische Anlagen um bis zu 10 Prozent gedrückt sein sollen.

An der Börse schlug sich das deutlich nieder. Die Aktie stieg zeitweise um 2,9 Prozent auf 4.072 Pence und erreichte intraday 4.076,5 Pence. Der FTSE 100 legte im gleichen Zeitraum nur moderat zu. In den USA hatte die Shell-ADR zuvor bei 105,19 Dollar geschlossen, ein Plus von gut 40 Prozent binnen zwölf Monaten.

Mit dem Rückkauf, der erhöhten Dividende und sinkender Verschuldung hat Shell die Ausschüttungen kräftig ausgebaut. Die Fortsetzung dieser Linie hängt an den Raffineriemargen: Fallen sie wieder in Richtung des Niveaus vom zweiten Quartal, entfällt ein wesentlicher Gewinntreiber dieses Quartals.