Der Energie-Riese treibt seinen Konzernumbau auf Hochtouren voran. Gleich drei milliardenschwere Verkäufe hat Shell in dieser Woche abgeschlossen oder auf den Weg gebracht – hinzu kommt ein Führungswechsel in der lukrativen Trading-Sparte.

Jiffy Lube für 1,3 Milliarden Dollar verkauft

Am 3. Juli kaufte Monomoy Capital Partners die Kfz-Servicekette Jiffy Lube sowie das Schwesterunternehmen Premium Velocity Auto. Der Kaufpreis liegt bei rund 1,3 Milliarden Dollar. Über 2.000 Jiffy-Lube-Standorte in den USA und Kanada sowie mehr als 360 PVA-Filialen wechseln damit den Besitzer.

Shell hält jedoch an seinen Schmiermittel-Marken Pennzoil, Quaker State und Rotella fest. Zudem sicherte sich der Konzern einen langfristigen Liefervertrag. Das Jiffy-Lube-Netzwerk hatte zuvor rund 6,5 Prozent des gesamten nordamerikanischen Schmiermittelvolumens von Shell abgenommen.

Tiefsee-Beteiligung und Südafrika-Exit

Parallel dazu verkauft Shell einen 50-Prozent-Anteil an der Na-Kika-Ölplattform im Golf von Mexiko. Käufer sind Talos Energy und Ridgewood Energy, der Preis: 1,7 Milliarden Dollar. Na Kika zählt mit einer Förderkapazität von bis zu 130.000 Barrel pro Tag zu den wichtigen Tiefsee-Hubs der Region.

Die kombinierten Erlöse aus beiden Verkäufen erreichen rund drei Milliarden Dollar – exakt die Summe, die Shell derzeit für sein Aktienrückkaufprogramm veranschlagt hat.

Hinzu kommen könnte ein dritter Deal. Berichten zufolge verhandelt ADNOC Distribution über den Kauf von Shells Tankstellennetz in Südafrika. Rund 600 Stationen stehen zur Disposition, das entspricht etwa zehn Prozent des südafrikanischen Kraftstoffmarkts. Der Preis: ebenfalls rund eine Milliarde Dollar.

Trading-Chef geht in Rente

Seine Energie-Handelssparte steuert rund 15 Prozent zum operativen Gewinn des Konzerns bei. Deren Leiter David Wells tritt nun ab. Sein Nachfolger wird Bob Kijkuit. Der Wechsel kommt zu einer Zeit, in der Shell mit schwankenden Energiepreisen und geopolitischen Spannungen kämpft – die Öl- und Gasförderung des Konzerns ist zuletzt um zehn Prozent gefallen.

Kurs und Ausblick

Shell schloss am Freitag bei 33,92 Euro – ein Minus von 0,38 Prozent auf Wochensicht, obwohl die Woche insgesamt ein leichtes Plus von 0,82 Prozent brachte. Auf 30 Tage gerechnet zeigt sich ein kräftigerer Rückgang von 9,64 Prozent. Seit Jahresbeginn steht das Papier noch 5,46 Prozent im Plus.

Der RSI signalisiert mit 36,2 Punkten die Annäherung an den überverkauften Bereich. Der Kurs liegt knapp unter der 200-Tage-Linie bei 34,23 Euro. Analysten bewerten die Aktie mehrheitlich mit „Kaufen“. JPMorgan Chase setzte das Kursziel zuletzt auf umgerechnet rund 42,50 Euro – satte 25 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Am 30. Juli legt Shell die Zahlen für das zweite Quartal vor. Die Prognose sieht die integrierte Gasproduktion zwischen 580.000 und 640.000 Barrel Öläquivalent pro Tag, die Upstream-Produktion zwischen 1,62 und 1,82 Millionen. Trotz der Verkäufe hält das Management am Ziel fest, die Öl- und Gasförderung bis 2030 um ein Prozent pro Jahr zu steigern – getragen vom Ausbau des LNG-Geschäfts und profitabler Tiefseeprojekte.