Shell Aktie: Hormuz-Krise trifft Kerngeschäft

Shell veröffentlicht Quartalszahlen vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, die das LNG-Geschäft direkt betreffen und zu Versorgungsengpässen führen. Analysten erwarten eine deutliche Gewinnerholung.

Shell Aktie
Kurz & knapp:
  • Erwartung einer deutlichen Gewinnerholung im ersten Quartal
  • Hormuz-Krise trifft Shells LNG- und GTL-Operationen in Katar
  • Australien plant Sondersteuer auf LNG-Exporte
  • Aktienrückkaufprogramm läuft im Mai aus

Morgen, am 8. April, veröffentlicht Shell sein Trading-Update für das erste Quartal 2026 — zu einem Zeitpunkt, der kaum heikler sein könnte. Der Kurs notiert nahe Allzeithoch, die Erwartungen sind hoch, und gleichzeitig steckt der Konzern mitten in einer Versorgungskrise, die sein eigenes Kerngeschäft direkt trifft.

Schwacher Jahresabschluss, starke Erwartungen

Das vierte Quartal 2025 war für Shell eine Enttäuschung. Der bereinigte Gewinn fiel auf 3,26 Milliarden Dollar — rund 40 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und deutlich unter der Konsensschätzung von 3,51 Milliarden Dollar. Es war das schwächste Quartalsergebnis seit fast fünf Jahren.

Für das erste Quartal 2026 rechnen Analysten nun mit einer deutlichen Erholung. Die Konsensschätzung liegt bei einem Gewinn je Aktie von rund 98 Cent, was einem Anstieg von etwa 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Laut LSEG-Daten haben Analysten ihre Gewinnschätzungen für das erste Quartal im Schnitt bereits um 15 Prozent nach oben korrigiert. Treiber dieser Erwartungen: der starke Anstieg der Öl- und Gaspreise infolge des Iran-Konflikts.

Hormuz-Krise mit direkten Folgen für Shell

Der Konflikt ist für Shell kein abstraktes Marktrisiko — er trifft operative Kernbereiche. Shell hält eine 30-Prozent-Beteiligung an QatarEnergy LNG und betreibt den Pearl-GTL-Komplex in Ras Laffan, dem wichtigsten LNG- und Petrochemie-Exportzentrum Katars, mit einer Kapazität von 140.000 Barrel Öläquivalent pro Tag.

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Seit Beginn des Konflikts sind die Öl- und Produktflüsse durch die Straße von Hormus von rund 20 Millionen Barrel pro Tag auf ein Minimum gesunken. Die Golfstaaten haben ihre Gesamtproduktion um mehr als 11 Millionen Barrel täglich gedrosselt. Die IEA beziffert den globalen LNG-Angebotsrückgang auf rund 20 Prozent.

Shell-CEO Wael Sawan warnte auf der CERAWeek-Konferenz, dass die Versorgungsengpässe, die Asien bereits hart treffen, im April auch Europa erreichen werden. Kerosin ist bereits knapp, ein Engpass bei Diesel und Benzin könnte folgen — ausgerechnet vor der sommerlichen Nachfragespitze.

Australiens Sondersteuer als neues Risiko

Parallel dazu formiert sich in Australien ein politischer Konflikt. Nachdem iranische Angriffe Katars LNG-Produktion zum Erliegen gebracht haben, ist Australien zum zweitgrößten LNG-Lieferanten der Welt aufgestiegen. Die Regierung unter Premierminister Anthony Albanese prüft nun, wie sie von den gestiegenen Preisen profitieren kann — unter anderem durch eine Sondersteuer auf LNG-Exporte von möglicherweise mehr als 25 Prozent sowie Reformen der bestehenden Petroleum Resources Rent Tax.

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Shell Australia-Chefin Cecile Wake warnte vor „kurzfristigen Lösungen“. Der Konzern argumentiert, abrupte Steuermaßnahmen würden Investitionen abschrecken, die für die Aufrechterhaltung der Versorgung und die Erschließung neuer Gasfelder notwendig seien. Die asiatischen Spot-LNG-Preise haben sich seit Konfliktbeginn im Februar verdoppelt und erreichen Dreijahreshochs — langfristige Verträge, die 75 Prozent der australischen Exportmengen ausmachen, dürften in drei bis sechs Monaten ebenfalls deutlich profitabler werden.

Was das Update morgen zeigen muss

Kein Analyst empfiehlt derzeit den Verkauf der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 3.605 GBp — leicht über dem aktuellen Kurs von 3.543,5 GBp. Die Bewertung lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen.

Sollte der Gewinn je Aktie die 98-Cent-Marke übertreffen, hätte das Management ein starkes Argument für die aktuelle Bewertung — zumal das laufende Aktienrückkaufprogramm im Mai ausläuft. Die Investitionsplanung für 2026 liegt mit 20 bis 22 Milliarden Dollar auf dem Niveau der Vorjahre, ein Signal für Kapitaldisziplin, das Anleger angesichts des geopolitischen Drucks genau einordnen werden.

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