Der Ölmultis bleiben die Probleme treu. Shell notiert aktuell bei 33,95 Euro – und damit weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 41,32 Euro aus dem März. Während die Energiebranche insgesamt unter dem Ölpreisverfall leidet, kommt für den britischen Konzern ein politisches Problem dazu.

Am Donnerstag fiel die Nordseesorte Brent auf rund 72,40 Dollar pro Barrel. Das ist das niedrigste Niveau seit Kriegsbeginn. Die Passage durch die Straße von Hormus normalisiert sich, rund 20 Millionen Barrel Öl passierten an einem einzigen Tag die Meerenge.

Hinzu kommt ein politischer Paukenschlag. Der US-Energieminister erlaubte mit einer neuen Lizenz den unbefristeten Kauf iranischen Öls für 60 Tage. Die Aussicht auf zusätzliches Angebot drückt die Kurse der großen Produzenten. Dazu kommt: Donald Trump beschuldigte Shell, Exxon und BP der Preistreiberei an den Zapfsäulen. Der Rohölpreis fiel seit Mai um 36 Prozent. Der Benzinpreis in den USA liegt laut Trump aber immer noch bei knapp 3,93 Dollar pro Gallone. Der Ex-Präsident fordert eine Untersuchung durch das Justizministerium.

Shell-Aktie: Under pressure

Für Anleger kommt das zur Unzeit. Die Aktie verlor auf Sicht von 30 Tagen fast sechs Prozent. Der RSI liegt bei 30,7 Punkten – das ist nahe der überverkauften Zone. Technisch notiert der Titel unter allen gleitenden Durchschnitten. Der 200-Tage-Schnitt liegt bei 34,14 Euro, die Aktie unterschreitet ihn aktuell leicht.

Eine DOJ-Untersuchung könnte die Raffineriemargen belasten. Ein Bereich, der Shell zuletzt starke Cashflows bescherte. Gleichzeitig bleibt die Region instabil. Am Donnerstag stieg der Ölpreis kurz um zwei Prozent, nachdem eine Drohne ein Containerschiff in der Straße von Hormus attackierte.

Shell profitiert immer noch von seiner starken Position im Flüssiggasgeschäft und von Aktienrückkäufen. Allianz warnt jedoch: Güter im Wert von rund 125 Milliarden Dollar bleiben in der Region gefährdet. Die Versicherungsprämien steigen. Das trifft am Ende alle Energieunternehmen.