Der Energiekonzern Shell baut seine Position im Offshore-Geschäft aus. Wie das Unternehmen heute bekannt gab, übernimmt die Tochtergesellschaft Shell Canada eine Beteiligung von 30 Prozent am Bay-du-Nord-Projekt vor der Küste von Neufundland und Labrador. Verkäufer der Anteile ist der norwegische Energiekonzern Equinor, der mit 70 Prozent weiterhin als Betreiber an Bord bleibt.
Für das Tiefseevorhaben ist eine phasenweise Erschließung über ein schwimmendes Produktions-, Lager- und Entladeschiff vorgesehen. Die geplante Bruttokapazität liegt bei 160.000 bis 175.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Das Projektvolumen beläuft sich auf rund zehn Milliarden US-Dollar.
Das Vorhaben befindet sich allerdings noch vor der endgültigen Investitionsentscheidung. Shell machte deutlich, dass weitere Kapitalzusagen von internen Renditekriterien und der konzernweiten Priorisierung abhängen. Bei einer positiven Entscheidung wird die erste Ölförderung für das Jahr 2031 erwartet. Zuvor war der britische Konkurrent BP aus dem Vorhaben ausgestiegen.
Wetterbedingte Förderausfälle im Golf von Mexiko
Während der Konzern langfristige Weichenstellungen in Kanada vorantreibt, erzwingen kurzfristige Wetterrisiken andernorts operative Pausen. Im Golf von Mexiko hat Shell vorsorglich die Förderung an fünf Plattformen heruntergefahren.
Wegen des herannahenden Tropensturms Isaias wurden die Evakuierungen auf den Anlagen Appomattox, Mars, Olympus, Ursa und Vito abgeschlossen. Der Konzern beobachtet die Wetterlage weiter, um mögliche Auswirkungen auf die Anlagen zu prüfen. Ein genauer Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Produktion steht noch nicht fest.
An den Finanzmärkten zeigt sich der Titel davon unbeeindruckt. Die Shell-Aktie notiert bei 44,70 Euro und liegt damit nur rund 0,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 44,80 Euro.
Zusätzliche Bohraufträge und Analystenstimmen
Parallel zu den Projektentscheidungen vergab der Konzern frische Aufträge an Dienstleister. Das Bohrunternehmen Transocean meldete eine Vereinbarung für die Halbtaucher-Bohrinsel Transocean Norge. Der Vertrag umfasst zwei Bohrungen über rund 120 Arbeitstage und hat einen festen Auftragswert von etwa 62 Millionen US-Dollar.
An der Bewertung von Shell arbeiten auch die Analysehäuser. Joshua Stone von der Schweizer Bank UBS bekräftigte seine Einstufung mit „Halten“ und einem Kursziel von 37,50 britischen Pfund. Er hob die Prognose für den Nettogewinn im dritten Quartal um drei Prozent auf 10,2 Milliarden US-Dollar an. Auch das Bankhaus Berenberg passte seine Gewinnschätzungen je Aktie nach oben an und erhöhte das eigene Kursziel.
Klarheit über das abgelaufene Jahresviertel erhalten Anleger in Kürze. Shell wird die vollständigen Geschäftszahlen für das dritte Quartal am 29. Oktober vorlegen.
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