Shell stellt sich gegen Australiens geplante Gasreservierung für den Inlandsmarkt. Shell-Australia-Chefin Cecile Wake warnte heute, die Vorgaben könnten Preise unter die langfristigen Grenzkosten neuer Förderung drücken. Für Anleger liegt das Risiko damit nicht allein in einer veränderten Absatzverteilung: Shell sieht auch die Wirtschaftlichkeit künftiger Investitionen gefährdet.
Das Unternehmen bezeichnet den geplanten Eingriff als „Vorschlaghammer“. Im Mittelpunkt steht das Queensland-LNG-Geschäft. Die Kritik richtet sich vor allem gegen eine verpflichtende Versorgung des heimischen Marktes unabhängig vom erzielbaren Preis.
Pflichtangebot für den heimischen Markt
Die australische Regierung will den Gesetzentwurf am Mittwoch ins Parlament einbringen. Medienberichten zufolge sollen Queensland-Exporteure ein Fünftel neu geförderten Gases im Inland verkaufen. Angestrebt wird ein Angebot von 110 % der prognostizierten Nachfrage an der Ostküste.
Damit geht der Plan über eine bloße Deckung des erwarteten Bedarfs hinaus. Aus Shells Sicht liegt gerade darin ein Problem: Eine vorgeschriebene Angebotsmenge könnte die Preise so weit drücken, dass neue Förderung wirtschaftlich unattraktiv wird. Die Warnung betrifft mögliche Folgen der geplanten Regelung, nicht bereits eingetretene Auswirkungen.
Bestehende langfristige Exportverträge sollen unberührt bleiben. Das wäre für die Ausgestaltung der Reservierung bedeutsam: Die geplante Pflicht zum Inlandsverkauf ist nicht mit einer angekündigten Aufhebung bestehender Liefervereinbarungen gleichzusetzen.
Shell verweist auf Investitionsrisiken
Wake verbindet ihre Kritik mit den Kosten zusätzlicher Förderung. Entscheidend ist nach ihrer Argumentation nicht nur, ob Gas im Inland verfügbar ist. Der erzielbare Preis muss auch neue Projekte tragen können. Eine Verkaufspflicht ohne entsprechende Preisabsicherung könnte diesen Anreiz schwächen.
Shells Stellung im australischen Gasmarkt lässt sich dabei nicht auf Exporte reduzieren. ABC berichtete gestern, dass Shells Queensland-Curtis-LNG-Projekt netto überwiegend Gas zum Inlandsmarkt beigetragen habe. Dieser Befund ist für die Debatte relevant: Shells Widerstand gegen das Reservierungsmodell bedeutet nicht, dass das Projekt bislang keinen Beitrag zur heimischen Versorgung geleistet hätte.
Für Anleger stehen somit zwei unterschiedliche Aspekte nebeneinander: der bisherige Beitrag zur Inlandsversorgung und die Bedingungen für künftige Förderung. Die politische Entscheidung betrifft nach Shells Einschätzung vor allem diese zukünftigen Investitionsanreize. Mit der geplanten Einbringung ins Parlament am Mittwoch erhält die Auseinandersetzung ihren nächsten konkreten Termin.
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