Der Technologiekonzern Siemens verzeichnet zum Abschluss der Woche signifikante Fortschritte in seinen Kernbereichen Mobilität und Energie. Während Siemens Mobility einen milliardenschweren Erfolg auf dem europäischen Schienenmarkt feiert, steht bei der Tochtergesellschaft Siemens Energy eine tiefgreifende Veränderung der Markenidentität bevor. Ziel dieser strategischen Neuausrichtung ist unter anderem eine deutliche Reduzierung der internen Kostenstrukturen.

Italienischer Bahnbetreiber ordert Züge für drei Milliarden Euro

Der private italienische Bahnbetreiber Italo hat bei Siemens Mobility neue Hochgeschwindigkeitszüge bestellt. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf insgesamt drei Milliarden Euro und beinhaltet neben der Lieferung der Fahrzeuge auch einen Servicevertrag mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Die Fertigung der Züge soll am Siemens-Standort in Krefeld erfolgen. Mit dieser Investition plant Italo zudem den Markteintritt im deutschen Schienenverkehr.

Der Markt für Hochgeschwindigkeitszüge in Europa wächst laut Branchenprognosen bis zum Ende des Jahrzehnts jährlich um fast zehn Prozent. Aktuell dominiert Alstom diesen Sektor mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent bei den Auslieferungen der vergangenen fünf Jahre. Siemens folgt dahinter mit einem Anteil von 20 Prozent, vor Hitachi mit 15 Prozent und Stadler mit acht Prozent. Siemens Mobility gilt dabei im Vergleich zum Marktführer Alstom als rentabler aufgestellt. Ein weiterer Meilenstein im Bahngeschäft war am Donnerstag die Übergabe der 2.000. Vectron-Lokomotive an die ÖBB im Werk München-Allach.

Umbenennung der Energiesparte soll Kosten senken

Eine markante Zäsur zeichnet sich bei der börsennotierten Tochtergesellschaft Siemens Energy ab. Das Unternehmen, zu dem auch Siemens Gamesa gehört, wird künftig unter dem Namen Omterra firmieren. Laut CEO Christian Bruch beginnt der Übergang der Marke bereits jetzt, wobei die strategische Ausrichtung des Konzerns unverändert bleibt. Der neue Name setzt sich aus den Bestandteilen „om“ für alles und „terra“ für Erde zusammen.

Hinter dem Rebranding steht ein kalkulierter finanzieller Vorteil: Durch den Verzicht auf den Namen Siemens entfallen künftige Lizenzgebühren an den Mutterkonzern. Diese Zahlungen belaufen sich für Siemens Energy auf jährlich etwa 300 Millionen Euro. Mit der Umbenennung in Omterra werden diese Mittel frei, um die Kostenbasis der Energiesparte nachhaltig zu senken. Die Siemens-Aktie schloss am Freitag bei einem Kurs von 271,80 € und weist damit seit Jahresbeginn eine positive Entwicklung von 13,70 % auf.

Netzausbau und technologische Innovationen

Parallel zum Markenwechsel sicherte sich Omterra gemeinsam mit den Partnern Neptun Werft und Smulders einen bedeutenden Auftrag für die deutsche Energiewende. Der Netzbetreiber 50Hertz vergab den Bau der zwei Gigawatt starken Offshore-Konverterplattform „North Sea Connector 2“. Die Hochspannungstechnik für das Projekt wird überwiegend in deutschen Werken gefertigt. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für Ende 2034 geplant. Ein zweites Projekt mit einem Volumen von rund 2,5 Milliarden Euro befindet sich derzeit in Verhandlung.

Trotz dieser operativen Erfolge mahnten Siemens und weitere europäische Technologiekonzerne wie SAP und Airbus vor einer drohenden Innovationsschwäche des Kontinents. In einer gemeinsamen Stellungnahme warnten die Unternehmen, dass Bürokratie und fragmentierte Märkte die globale Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und China gefährden. Fehlendes Kapital für die Skalierung von Tech-Ideen bleibe ein zentrales Hindernis. Das Papier von Siemens notiert derzeit 4,55 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 284,75 €, das Anfang Juli markiert wurde.