Der Bundestag beschließt ein milliardenschweres Gaskraftwerks-Programm. Die Siemens-Energy-Aktie reagiert trotzdem mit einem satten Kursverlust. Ein technischer Ausrutscher kurz vor Handelsschluss sorgt zusätzlich für Verwirrung.

Flash-Crash würgt Erholung ab

Siemens Energy schließt den Freitag bei 152,00 Euro. Das bedeutet ein Tagesminus von 2,73 Prozent. Auf Wochensicht summieren sich die Verluste auf 9,46 Prozent.

Rund eine Stunde vor Handelsschluss rutscht der DAX plötzlich ab. Der Index verliert innerhalb weniger Sekunden etwa 0,5 Prozent. Neben Siemens Energy trifft es auch Siemens, Fresenius und Volkswagen. Die Aktie erholt sich bis Handelsschluss nicht mehr vollständig und weitet ihre Tagesverluste sogar aus.

Bundestag billigt 11-Gigawatt-Gesetz

Am selben Tag verabschiedet der Bundestag ein Gesetz mit langfristiger Bedeutung für Siemens Energy. Am 10. Juli 2026 billigen die Abgeordneten den Bau neuer Gaskraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 11 Gigawatt. Union und SPD stimmen dafür, die Opposition dagegen.

Die Eckpunkte:
– Die Anlagen sollen spätestens Ende 2031 ans Netz gehen.
– Die Kraftwerke starten mit Erdgas, müssen aber ab 2045 auf Wasserstoff umstellbar sein (H2-ready).
– Ab 2031 finanziert eine neue Umlage für Stromverbraucher die Kosten.

Für Siemens Energy als einen der weltweit führenden Gasturbinen-Hersteller schafft das Gesetz eine wichtige Grundlage für künftige Aufträge im deutschen Heimatmarkt.

Analystendruck trifft Chartbild

Der Wochenverlust hat noch einen zweiten Treiber: eine Abstufung durch Barclays. Die Analysten sorgen mit ihrer Einschätzung für Verkaufsdruck. Zeitweise verliert die Aktie dadurch bis zu 7 Prozent.

Charttechnisch hinterlässt das Spuren. Mit 152,00 Euro notiert das Papier unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts von 165,46 Euro und des 100-Tage-Durchschnitts von 163,02 Euro.

Damit hat die Aktie ihre kurzfristigen Trendlinien komplett verloren. Anleger richten den Blick nun auf die nächste tiefere Haltelinie.

Der 200-Tage-Durchschnitt bei 142,72 Euro liegt noch 6,50 Prozent entfernt und gilt als psychologische Unterstützung. Der RSI von 42,6 signalisiert eine leicht bearishe, aber noch nicht überverkaufte Lage.

Trotz der schwachen Woche bleibt Siemens Energy einer der stärksten DAX-Werte des Jahres. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 23,78 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar ein Zuwachs von 68,93 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,54 Euro trennen die Aktie inzwischen 22,27 Prozent. Der Börsenwert des Konzerns beläuft sich aktuell auf 132,94 Milliarden Euro.

In der kommenden Woche testet der Markt, ob sich die Aktie oberhalb der Marke von 150 Euro stabilisiert. Der Flash-Crash vom Freitag war rein technischer Natur. Das neue Gaskraftwerks-Gesetz braucht als nächsten Schritt noch die Zustimmung des Bundesrats.