Während Vorstandsmitglied Tim Holt diese Woche mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nach Peking reist, läuft das operative Geschäft auf Hochtouren. Rekordaufträge, eine wiederentdeckte Dividende und erhöhte Analystenkursziele — Siemens Energy hat selten so viele Katalysatoren gleichzeitig gehabt.
Reiche, Holt und die Frage des fairen Wettbewerbs
Vom 26. bis 29. Mai begleitet Holt die Ministerin auf ihrer ersten offiziellen China-Reise, an seiner Seite die Konzernchefs von BASF und Thyssenkrupp. Auf der Agenda stehen Lieferketten-Resilienz und faire Marktzugänge. Holt will konkret für den Schutz westlicher Innovationen in der Netzinfrastruktur und der industriellen Elektrifizierung eintreten — Bereiche, in denen asiatischer Preisdruck spürbar zunimmt.
Der Besuch knüpft an Bundeskanzler Merkels — pardon, Friedrich Merz‘ — China-Reise im Februar 2026 an, bei der das Siemens-Energy-Werk in Hangzhou auf dem Programm stand. Die politische Leitlinie lautet De-Risking, nicht Abkopplung.
Rekordaufträge, Prognoseerhöhung, Dividendenrückkehr
Das operative Fundament ist beeindruckend solide. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von knapp 20 Milliarden Euro, das Nettoeinkommen verdoppelte sich auf 1,44 Milliarden Euro. Die Umsatzwachstumsprognose wurde auf 14 bis 16 Prozent angehoben, das angestrebte Nettoeinkommen liegt bei rund 4 Milliarden Euro.
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Im zweiten Quartal erreichte der Auftragseingang mit 17,7 Milliarden Euro ein neues Allzeithoch. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,72 signalisiert: Mehr Aufträge kommen rein, als ausgeliefert wird. Der Gesamtauftragsbestand kletterte auf 154 Milliarden Euro.
Besonders die Sparte Grid Technologies zieht an. Der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal um vergleichbare 41,5 Prozent auf knapp 7 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern nun ein Umsatzwachstum von 25 bis 27 Prozent — zuvor lautete die Spanne 19 bis 21 Prozent. Die Zielmarge steigt auf 18 bis 20 Prozent. Genau in diesem Segment sind faire Wettbewerbsregeln gegenüber chinesischen Anbietern am stärksten gefragt.
Hinzu kommt die Dividendenrückkehr: Im März zahlte Siemens Energy erstmals seit 2022 wieder eine Ausschüttung — 0,70 Euro je Aktie, mit 99,99 Prozent der Stimmen auf der Hauptversammlung beschlossen. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen Analysten nun mit bis zu 1,84 Euro.
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Gamesa bleibt das offene Risiko
Ein Risiko bleibt. Der operative Verlust von Siemens Gamesa sank im zweiten Quartal deutlich auf 44 Millionen Euro, nach 249 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Turnaround ist real — aber noch nicht abgeschlossen.
Den Breakeven im zweiten Halbjahr hat der Vorstand explizit zur Bedingung für die bestätigte Jahresprognose erklärt. Verfehlt Gamesa dieses Ziel, droht eine Prognosekorrektur — unabhängig davon, wie stark das Netzgeschäft läuft.
Analysten sehen weiteres Kurspotenzial
Jefferies hob das Kursziel zuletzt von 164 auf 215 Euro an und bekräftigte die Einstufung „Buy“. Analyst Lucas Ferhani begründete das mit erneut übertroffenen Erwartungen beim Auftragseingang, sowohl im Netz- als auch im Gasturbinengeschäft. JPMorgan taxiert den fairen Wert auf 225 Euro, Goldman Sachs auf 212 Euro.
Die Aktie schloss zuletzt bei 173,72 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 41,5 Prozent zugelegt — liegt damit aber noch gut sieben Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 188,00 Euro vom April. Den nächsten konkreten Impuls liefert der Q3-Bericht am 5. August 2026.
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