Siemens Energy rückt mit einem internationalen Großprojekt in den Blick: Guyanas Premierminister traf sich am Freitag mit Vertretern des Unternehmens, um die Einsatzbereitschaft eines 300-Megawatt-Gas-to-Energy-Kraftwerks zu besprechen. Siemens Energy soll die Anlage als Betreiber im Rahmen eines Operation-and-Maintenance-Vertrags führen. Der erste Gasturbinenblock soll dem Zeitplan zufolge noch in diesem Jahr ans Netz gehen.

Das Projekt zeigt, wie breit das Unternehmen inzwischen aufgestellt ist – von Gasturbinen für Schwellenländer bis zu Komponenten für die Kernkraft der Zukunft.

Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Siemens Energy einen Vertrag mit Rolls-Royce SMR über die Fertigung von Dampfturbinenkomponenten für ein britisches Kleinreaktor-Projekt in Newcastle abgeschlossen hat. Solche Aufträge unterstreichen die wachsende Rolle des Konzerns bei der Ausrüstung sowohl konventioneller als auch nuklearer Kraftwerkstechnik.

Aktie unter Druck trotz operativer Fortschritte

An der Börse spiegelt sich diese Diversifizierung derzeit nicht in der Kursentwicklung wider. Das Papier schloss am Freitag bei 143,92 Euro, nach einem Tagesplus von 2,3 Prozent.

Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Minus von 12 Prozent zu Buche – ein Nachhall der enttäuschenden Reaktion auf die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vor rund einem Monat, seit denen die Aktie rund 7,3 Prozent verloren hat. Zum bisherigen Jahreshoch fehlen der Aktie mittlerweile 26 Prozent.

Parallel zur operativen Nachrichtenlage sorgt auch der geplante Konzernumbau für Gesprächsstoff. Die Sparte Transformation of Industry soll unter der künftigen Marke Omterra zu einer eigenständigen Geschäftseinheit werden, der Markenstart soll im weiteren Verlauf des Jahres schrittweise erfolgen.

Analysten bleiben trotz Kursrücksetzer zuversichtlich

Die jüngsten Analystenreaktionen fielen mehrheitlich konstruktiv aus. JPMorgan bekräftigte am Freitag nach Gesprächen mit Vorstandschef Christian Bruch die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 245 Euro. Jefferies senkte zwar am Mittwoch das Kursziel von 215 auf 210 Euro, bestätigte aber die Kaufempfehlung „Buy“.

Diese Einschätzungen fügen sich in eine Reihe positiver Analystenstimmen der vergangenen zwei Wochen ein, in denen auch Banco BTG Pactual und die Deutsche Bank ihre Coverage mit „Buy“ aufgenommen hatten.

Die Diskrepanz zwischen optimistischen Kurszielen deutlich über dem aktuellen Niveau und der schwachen Kursentwicklung der vergangenen Wochen zeigt, wie stark die Nervosität der Anleger nach der jüngsten Quartalsvorlage nachwirkt – trotz eines soliden Auftragsflusses aus Projekten wie dem Kraftwerk in Guyana oder dem britischen SMR-Vertrag.