Mehrere der größten Finanzinvestoren der Welt haben offenbar Interesse an einem Milliardendeal mit Siemens Energy bekundet. Wie Bloomberg berichtet, prüfen CVC Capital Partners, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR mögliche Gebote für eine Mehrheitsbeteiligung an der Sparte „Transformation of Industry“ (ToI). Die Division, zu der Dampfturbinen, Verdichter und Elektrifizierungslösungen zählen, wird mit mehr als 10 Milliarden Euro bewertet.

Konzern treibt Abspaltung voran

Erst am Dienstag vergangener Woche hatte Siemens Energy per Ad-hoc-Mitteilung bestätigt, dass die Vorbereitungen zur Verselbstständigung von ToI konkrete Formen annehmen. Goldman Sachs berät den Konzern dabei, ob externe Investoren einsteigen oder eine Kapitalmarkttransaktion der bessere Weg ist.

Siemens Energy selbst will nach eigenen Angaben eine „bedeutende“ Minderheitsbeteiligung an der Sparte behalten – ein Hinweis darauf, dass der Konzern trotz Teilverkauf am künftigen Erfolg von ToI mitverdienen will.

Dass gleich mehrere Schwergewichte der Private-Equity-Branche parallel an dem Geschäft interessiert sind, unterstreicht den Ehrgeiz hinter dem Vorhaben. Für Siemens Energy böte ein Verkauf frisches Kapital, während sich der Konzern stärker auf Netztechnik, Gasturbinen und die Windkraftsparte konzentrieren könnte – jene Bereiche, die zuletzt für die eigentliche Wachstumsdynamik gesorgt haben.

Rekordquartal liefert Rückenwind

Die Verhandlungsposition dürfte durch die jüngsten Geschäftszahlen gestärkt werden. Im dritten Geschäftsquartal 2026 meldete Siemens Energy einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro und einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro, ein Plus von 18,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Der Nettogewinn kletterte auf 1.188 Millionen Euro, gut 70 Prozent mehr als im Vorjahr, das Ergebnis je Aktie stieg auf 1,28 Euro von zuvor 0,71 Euro.

Besonders die Netztechniksparte Grid Technologies sticht heraus: Der Konzern hob die Margenprognose für dieses Segment auf 18 bis 20 Prozent an, nachdem zuvor 10 bis 12 Prozent in Aussicht gestellt worden waren.

Auch die Windkrafttochter Siemens Gamesa lieferte erstmals seit dem vierten Quartal 2022 wieder ein profitables Quartal ab und liegt auf Kurs zum Break-Even im laufenden Geschäftsjahr. Für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern seine Prognose eines vergleichbaren Umsatzwachstums von 14 bis 16 Prozent und eines Nettogewinns von rund 4 Milliarden Euro.

Insider zeigt sich zuversichtlich

Auch aus dem Aufsichtsrat kommt ein positives Signal: Laurence Mulliez erwarb am Donnerstag vergangener Woche 661 Aktien zu je 151,91 Euro, ein Volumen von gut 100.000 Euro. Solche Käufe von Kontrollgremiumsmitgliedern gelten häufig als Vertrauensbeweis in die weitere Entwicklung des Unternehmens.

An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt konsolidiert. Am Freitag schloss das Papier bei 149,28 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch aus April bei 195,38 Euro trennen den Kurs mittlerweile 24 Prozent, während er sich vom Jahrestief im September mit einem Plus von 79 Prozent klar abgesetzt hat.

Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Zuwachs von 24 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass die strategische Neuausrichtung des Konzerns von Anlegern grundsätzlich honoriert wird, selbst wenn der Kurs zuletzt unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 154,70 Euro pendelt.

Sollte der Verkauf der ToI-Sparte tatsächlich zustande kommen, wäre dies einer der größten Industriedeals des Jahres in Europa. Für Siemens Energy würde sich damit der Umbau zu einem stärker auf Energiewende und Netzinfrastruktur fokussierten Konzern weiter beschleunigen.