Der Hunger nach Grundlastenergie für Rechenzentren treibt Siemens Energy zu einem massiven Ausbau. Der Konzern erhöht seine jährliche Kapazität für mittelgroße Gasturbinen von 50 auf 80 Einheiten. Der Kurs reagiert heute mit einem Rückgang von 3,57 Prozent auf 147,88 Euro — trotzdem steht seit Jahresbeginn ein Plus von 20,42 Prozent zu Buche.
Der Ausbau ist eine direkte Antwort auf verschobene Marktkräfte. Während die Windkraftsparte weiter an Stabilität arbeitet, entwickelt sich das Geschäft mit wasserstofffähigen Gasturbinen zum profitablen Wachstumstreiber. Diese Anlagen gelten als Brückentechnologie: Sie federn die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien ab und sichern den energieintensiven Betrieb moderner Rechenzentren.
Rückkäufe stützen den Kurs
Parallel zum operativen Ausbau treibt Siemens Energy sein Kapitalprogramm voran. Die zweite Tranche des Aktienrückkaufs umfasst bis zu eine Milliarde Euro und läuft bis zum 30. September 2026. Allein zwischen dem 6. und 12. Juli 2026 kaufte der Konzern 604.090 eigene Aktien zurück.
Solche Rückkäufe stützen den Gewinn pro Aktie. Sie reduzieren zudem die Verwässerung aus früheren Kapitalmaßnahmen.
Gaskraftwerksgesetz schafft Planungssicherheit
Zusätzlichen Rückenwind liefert die Politik. Der Bundestag verabschiedete am 9. Juli 2026 das Stromversorgungskapazitätssicherungsgesetz. Es öffnet den Weg für ein 12-Gigawatt-Programm zum Bau neuer, wasserstofffähiger Gaskraftwerke.
Siemens Energy gilt als einer der weltweit führenden Anbieter in diesem Segment. Der Konzern zählt damit zu den Favoriten für die Ausschreibungen, die noch 2026 starten sollen. Die Betreiber müssen ihre Kraftwerke ab 2045 vollständig klimaneutral führen — das sichert Siemens Energy langfristige Service- und Modernisierungsverträge über Jahrzehnte.
Analysten uneins über die Aktie
Am Markt prallen zwei gegensätzliche Einschätzungen aufeinander. Barclays stufte die Aktie zuletzt auf „Underweight“ herab und nennt ein Kursziel von 130 Euro. Die Bank verweist auf eine mögliche Normalisierung der Nachfrage nach dem jüngsten Auftragsboom.
Jefferies sieht das anders und bestätigte kürzlich das „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 215 Euro. Zwischen beiden Zielen liegen 85 Euro Differenz — ein Hinweis, wie unterschiedlich die Marktteilnehmer die künftige Nachfrage nach Gasturbinen einschätzen.
Charttechnisch notiert die Aktie mit einem RSI von 40,8 in neutralem Terrain. Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,54 Euro aus dem April hat sich der Kurs um rund 24 Prozent entfernt. Die Ausschreibungen zum 12-Gigawatt-Programm im weiteren Jahresverlauf 2026 dürften zeigen, welche der beiden Analysten-Lager näher an der Realität liegt.
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