Die Siemens Energy AG erhält an diesem Dienstag positive Nachrichten aus Malaysia, während die Aktie gleichzeitig unter Verkaufsdruck steht. YTL Power International und Ganda Power haben mit Siemens Energy eine Reservierungsvereinbarung über vier zusätzliche Gasturbinen des Typs SGT-9000HL unterzeichnet.

Zusammen mit drei zuvor gesicherten Einheiten kommen die Partner damit auf sieben Turbinen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 5.250 Megawatt für Kraftwerksprojekte in Malaysia und der Region.

Unterzeichnet wurde die Vereinbarung in Bangkok, auf Seiten von Siemens Energy zeichnete Karim Amin verantwortlich. YTL-Power-Manager Yeoh Seok Hong bezeichnete Energie als „Basis der AI-Wirtschaft“ und verwies auf eine mehr als drei Jahrzehnte währende Partnerschaft mit dem deutschen Turbinenhersteller.

Der Auftrag fällt in eine Phase, in der Anleger die Aktie von Siemens Energy deutlich abstrafen. Das Papier notiert am Dienstag bei 133,00 Euro und damit rund 10 Prozent unter dem Niveau von vor einer Woche.

Auslöser sind Sorgen über die Tragfähigkeit der Investitionswelle rund um Künstliche Intelligenz, die auch andere Technologiewerte wie Infineon belasten. Der Relative-Stärke-Index von 33,7 signalisiert eine überverkaufte Aktie – ein Hinweis darauf, dass der Ausverkauf der vergangenen Tage technisch bereits weit fortgeschritten ist.

Siemens-Anteil erstmals unter fünf Prozent

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält Siemens Energy durch eine strukturelle Veränderung im Aktionärskreis. Die Siemens AG, die einst mit 35,1 Prozent größte Anteilseignerin nach der Abspaltung 2020 war, hat ihren Stimmrechtsanteil Anfang September erstmals unter die Schwelle von fünf Prozent gesenkt.

Größter Einzelaktionär ist inzwischen der rechtlich eigenständige Siemens Pension-Trust e.V. Die frühere Mutter zieht sich damit weiter aus dem einstigen Konzernteil zurück – ein Prozess, der die Eigenständigkeit von Siemens Energy am Kapitalmarkt weiter unterstreicht.

Wichtig für Anleger: Aufträge und Kooperationen der Siemens AG, etwa das jüngst unterzeichnete Absichtsprotokoll mit Khazna Data Centres zu KI-Rechenzentrumstechnologie, betreffen die Konzernmutter und nicht Siemens Energy. Die beiden Unternehmen operieren seit der Trennung getrennt voneinander, auch wenn der Name weiterhin für Verwechslungen sorgt.

Wachstumsgeschäft bleibt intakt

Der Gasturbinenauftrag aus Malaysia zeigt, dass die operative Nachfrage nach Kraftwerkstechnik von Siemens Energy trotz der Kursschwäche ungebrochen ist. Die weltweite Nachfrage nach Energie für Rechenzentren und KI-Anwendungen treibt Investitionen in Gaskraftwerke, von denen der Konzern über sein Turbinengeschäft direkt profitiert.

Für Anleger bleibt damit eine Diskrepanz bestehen: Während operative Auftragsmeldungen wie jene aus Malaysia auf strukturelles Wachstum hindeuten, dominieren an der Börse kurzfristig makroökonomische Ängste über eine mögliche KI-Investitionsblase.

Ob sich die überverkaufte Marktlage in den kommenden Handelstagen stabilisiert, dürfte auch davon abhängen, wie der Markt weitere Auftragsmeldungen aus dem Kraftwerksgeschäft einordnet.