Nach dem Rücksetzer vom Dienstag meldet sich die Aktie von Siemens Energy zurück. Neue Unternehmensnachrichten gibt es nicht. Die Erholung speist sich aus der Stimmung am KI-Markt, und die Frage lautet, ob daraus mehr wird als eine Gegenbewegung.

Barclays-Warnung belastet den Sektor

Am Dienstag hatte der Titel 2,1 Prozent auf 130,32 Euro verloren und gehörte zu den größten DAX-Verlierern. Seit dem 6. Oktober summiert sich das Minus auf 11,6 Prozent. Auslöser war eine Studie von Barclays-Analyst George Featherstone. Er sieht die Ausrüster von KI-Rechenzentren an der Grenze ihrer Preismacht.

Sein Argument: Anthropic soll beim Cloud-Anbieter Nscale ein zweites Rechenzentrum zum selben Preis mieten wie beim ersten Vertrag im August. Für Featherstone zeigt das, dass Zulieferer Preise und Margen nicht beliebig anheben können. Neben Siemens Energy nennt er Siemens, ABB und Schneider Electric.

Am Mittwoch legte die Aktie zeitweise um 2,4 Prozent auf 133,40 Euro zu. Super Micro hatte zuvor die Umsatzprognose für das laufende Quartal deutlich angehoben. Ob das die Barclays-These entkräftet, bleibt offen. Mehr verkaufte Server bedeuten nicht automatisch höhere Preise für Turbinen und Netztechnik.

Auftragsbestand als Gegenargument

Siemens Energy kann auf Rekordzahlen verweisen. Im dritten Geschäftsquartal erreichte der Auftragseingang 17,9 Milliarden Euro, der Auftragsbestand liegt bei 162 Milliarden Euro. Dessen Preise stehen großteils vertraglich fest. Die Prognose für 2026 mit einer Marge von 10 bis 12 Prozent, Tendenz oberes Ende, steht.

Im Pre-Close-Call betonte IR-Chef Tobias Hang, Rechenzentren seien ein wichtiger Zusatztreiber, aber „nicht das Fundament“ der Prognose. Stornierungen habe man nicht gesehen. Das Unternehmen nannte aber auch Bremsspuren: Der Auftragseingang bei Gas Services dürfte im vierten Quartal unter den starken Vorquartalen liegen. In der Netztechnik wurde kein HVDC-Projekt gebucht, bei Offshore-Wind blieben die Aufträge unter den Erwartungen.

Das Analystenbild bleibt überwiegend positiv. JPMorgan bestätigte zuletzt „Overweight“ und bevorzugt europäische Anbieter gegenüber US-Konkurrenten. Evercore ISI nennt ein Kursziel von 250 Euro. Beide Stimmen stammen allerdings aus der Zeit vor dem Rücksetzer.

Chartmarken und Termine

Technisch zählen zwei Punkte. Nach oben bildet die Zone um 135 bis 136 Euro den nächsten Widerstand. Nach unten liegt die Unterstützung beim Tagestief vom 15. Oktober bei 124,46 Euro. Dort testete die Aktie das Ausbruchsniveau vom Januar. Fällt der Kurs darunter, stünde der gesamte Anstieg seit Jahresbeginn infrage.

Der nächste feste Termin ist der 11. November. Dann legt Siemens Energy die Jahreszahlen vor, dazu den Ausblick auf 2027, neue Ziele bis 2030 und einen aktualisierten Kapitalallokationsrahmen. Eine Woche vorher veröffentlicht das Unternehmen sein Konsens-Kompendium, das die Markterwartungen zeigt.