Liebe Leserinnen und Leser,
167,96 Prozent – so viel hat die Siemens Energy-Aktie seit Jahresbeginn zugelegt und heute ein neues Allzeithoch markiert. Gleichzeitig stürzt Gerresheimer um über 30 Prozent ab, weil erneut Bilanzierungsfehler auftauchen. Und während am deutschen Aktienmarkt Einzelschicksale die Schlagzeilen dominieren, rutscht Bitcoin unter 67.000 Dollar und kämpft mit der Angst vor ausbleibenden Zinssenkungen. Der DAX selbst? Pendelt um die 25.000-Punkte-Marke – mal drüber, mal drunter – und wartet auf klare Impulse. Was nach einem typischen Mittwoch klingt, offenbart bei genauerem Hinsehen ein Muster: Anleger belohnen operative Stärke und bestrafen Intransparenz gnadenlos.
Siemens Energy: Gasturbinen-Boom treibt Aktie auf Rekordhoch
Manchmal braucht es nur starke Zahlen und einen klaren Ausblick, um Anleger zu überzeugen. Siemens Energy lieferte beides: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 kletterte der Auftragseingang um 22 Prozent über die Erwartungen, getrieben von einer weltweit massiv steigenden Stromnachfrage. Besonders das Geschäft mit Gasturbinen brummt – ein Segment, das lange als Auslaufmodell galt, nun aber von der Energiewende profitiert. Denn der Ausbau erneuerbarer Energien erfordert flexible Backup-Kapazitäten, und genau hier punktet Siemens Energy.
Die Aktie reagierte prompt: Mit einem Plus von 8,4 Prozent auf 163,25 Euro erreichte sie ein neues Allzeithoch. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von knapp 168 Prozent zu Buche – ein Wert, der selbst im aktuell robusten DAX-Umfeld heraussticht. Analysten von RBC lobten die „sehr starken Erstquartalszahlen“ und hoben insbesondere den Auftragseingang hervor, der deutlich über den Erwartungen lag. Auch das bereinigte Ergebnis und der freie Cashflow übertrafen die Prognosen klar.
Für deutsche Anleger ist das mehr als nur eine Erfolgsstory: Siemens Energy zeigt, dass Industrieunternehmen von der Energiewende profitieren können – wenn sie sich rechtzeitig positionieren. Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern, gestützt durch ein Rekordauftragsbuch. Wer auf die Transformation des Energiesektors setzt, kommt an diesem Wert kaum vorbei.
Gerresheimer: Bilanz-Chaos lässt Aktie abstürzen
Der Kontrast könnte kaum größer sein: Während Siemens Energy feiert, erlebt Gerresheimer einen schwarzen Tag. Der Verpackungsspezialist für die Pharma- und Kosmetikindustrie verschiebt erneut die Veröffentlichung seines Jahresabschlusses – diesmal wegen neuer Bilanzierungsprobleme. Nach bisherigen Erkenntnissen haben einzelne Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und IFRS-Regelungen verstoßen, was zu Korrekturen bei Umsatzerlösen und der Bewertung von Vorräten führt.
Die Zahlen sind ernüchternd: Für das Geschäftsjahr 2024 rechnet Gerresheimer mit einem zusätzlichen Korrekturbedarf von rund 17 Millionen Euro beim Umsatz und 19 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA. Zusammen mit bereits angekündigten Anpassungen summiert sich der Fehlbetrag auf 35 Millionen Euro beim Umsatz und 24 Millionen Euro beim operativen Ergebnis. Hinzu kommen nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro, vor allem bei Technologie- und Entwicklungsprojekten der Tochter Sensile Medical sowie beim Moulded-Glass-Werk in Chicago.
Die Börse reagierte gnadenlos: Die Aktie brach um über 31 Prozent auf 18,67 Euro ein – der tiefste Stand seit der Finanzkrise 2009. Analysten sprechen von einem „völlig zerstörten“ Investorenvertrauen. Die DZ Bank kommentierte, das Vertrauen in die Bilanzqualität sei „aufs Neue erheblich belastet“. JPMorgan formulierte es noch drastischer: Der Weg des Unternehmens führe „von schlecht über schlimmer zu noch schlimmer“.
Für Anleger ist Gerresheimer ein Lehrstück in Sachen Transparenz: Wer das Vertrauen der Investoren verliert, zahlt einen hohen Preis – unabhängig davon, wie solide das operative Geschäft sein mag. Die Bafin hatte bereits eine Prüfung eingeleitet, doch offenbar sind die Probleme tiefer verwurzelt als zunächst angenommen. Bis ein neuer Veröffentlichungstermin für den Jahresabschluss feststeht, dürfte die Aktie unter Druck bleiben.
DAX zwischen Hoffen und Bangen: 25.000 Punkte als Hürde
Der deutsche Leitindex zeigte sich am Mittwoch unentschlossen. Nach einem schwachen Start testete er am Nachmittag kurzzeitig die 25.000-Punkte-Marke, fiel dann aber wieder zurück und schloss 0,53 Prozent tiefer bei 24.856 Punkten. Die psychologisch wichtige Schwelle bleibt damit weiterhin eine Herausforderung – und der im Januar erreichte Rekord von 25.507 Zählern rückt in die Ferne.
Belastend wirkten die US-Arbeitsmarktdaten: Im Januar entstanden außerhalb der Landwirtschaft 130.000 neue Stellen – deutlich mehr als die erwarteten 55.000. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,3 Prozent. Auf den ersten Blick ein positives Konjunktursignal, doch für die Zinssenkungshoffnungen ein Dämpfer. Denn ein robuster Arbeitsmarkt gibt der Fed wenig Spielraum für geldpolitische Lockerungen. Analyst Ralf Umlauf von der Helaba brachte es auf den Punkt: „Die Zinssenkungserwartungen dürften einen Dämpfer bekommen.“
Neben Siemens Energy sorgten auch Immobilienwerte für positive Akzente: Vonovia legte 2,8 Prozent zu, E.ON erreichte ein Fünf-Jahres-Hoch. Auf der Verliererseite standen dagegen SAP (-5,2 Prozent), Zalando (-6,7 Prozent) und Scout24 (-4,1 Prozent) – allesamt Unternehmen, die unter den wachsenden Sorgen vor KI-bedingten Geschäftsmodell-Risiken leiden. Neu erwischte es auch Online-Broker: flatexDEGIRO brach um fast 11 Prozent ein, nachdem Analysten von Jefferies warnten, dass KI-basierte Tools die Margen im Sektor unter Druck setzen könnten.
Anzeige: Während einzelne Werte wie Siemens Energy explosive Kursgewinne verzeichnen und andere wie Gerresheimer abstürzen, stellt sich für Anleger die Frage: Wie identifiziert man systematisch die Gewinner – bevor die große Bewegung kommt? Ein neues Trading-System namens Cash-Alarm kombiniert technische Ausbruchssignale mit Volumenanalyse und fundamentalen Katalysatoren, um genau solche Chancen zu erkennen. Das System liefert zweimal pro Woche konkrete Trade-Signale über alle Märkte hinweg – von Aktien über Rohstoffe bis Kryptos. Die bisherigen Ergebnisse zeigen einen durchschnittlichen Gewinn von 62,5 Prozent pro Trade, darunter Volltreffer wie Rheinmetall mit +136,5 Prozent oder Siemens Energy mit +96,9 Prozent. In einer kostenlosen Cash-Rallye erhalten Teilnehmer 20 konkrete Trades in 10 Wochen sowie einen exklusiven Sektor-Report zu den vier gewinnstärksten Branchen bis 2027. Details zur Cash-Rallye und kostenloser erster Trade
Commerzbank: Rekordgewinn reicht nicht für die Börse
Die Commerzbank hat 2025 fast so viel verdient wie nie zuvor – und trotzdem reagierte die Börse enttäuscht. Mit einem Nettogewinn von 2,6 Milliarden Euro verfehlte das Institut seinen Rekord von 2024 nur knapp, vor allem wegen hoher Kosten für den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen. Für 2026 will die Bank die bisherige Zielmarke von 3,2 Milliarden Euro übertreffen, bis 2028 soll der Gewinn auf 4,2 Milliarden Euro wachsen.
Doch die Börse war nicht beeindruckt: Die Aktie verlor bis zu 5 Prozent und fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende November. Marktexperte Andreas Lipkow von CMC Markets sprach von „enttäuschten, hohen Erwartungen“. Die Zahlen seien grundsätzlich gut gewesen, doch einige große Marktteilnehmer hätten noch mehr erwartet. Auch die Dividendenerhöhung von 65 Cent auf 1,10 Euro und ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 540 Millionen Euro konnten die Stimmung nicht drehen.
Im Hintergrund tobt weiterhin der Übernahmekampf mit der UniCredit: Die italienische Großbank hält inzwischen über 26 Prozent der Commerzbank-Anteile und könnte jederzeit ein Angebot vorlegen. CEO Bettina Orlopp setzt auf einen hohen Aktienkurs als Abschreckung – doch die heutige Reaktion zeigt, dass dieser Plan wackelt. Für deutsche Anleger bleibt die Frage: Reicht operative Stärke, um eine feindliche Übernahme abzuwehren? Oder ist die Commerzbank am Ende doch nur ein Spielball im europäischen Banken-Poker?
Bitcoin rutscht unter 67.000 Dollar: Zinshoffnungen schwinden
Während europäische Aktien noch um Stabilität ringen, geriet Bitcoin am Mittwoch deutlich unter Druck. Die größte Kryptowährung fiel zeitweise unter 66.000 Dollar und notierte zuletzt bei 67.124 Dollar – ein Minus von 2 Prozent. Damit liegt der Kurs rund 47 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.198 Dollar, das im Oktober 2025 erreicht wurde.
Auslöser waren die robusten US-Arbeitsmarktdaten, die die Aussichten auf baldige Zinssenkungen dämpften. Bitcoin wirft keine Zinsen ab und verliert daher an Attraktivität, wenn die Opportunitätskosten steigen. Analyst Timo Emden von Emden Research kommentierte: „Der jüngste Kursschock steckt den Anlegern immer noch in den Knochen. Statt neuer Engagements dominieren Rückzug und Absicherung.“ Das Vertrauen bleibe fragil, und selbst bei den deutlich niedrigeren Preisen würden „Schnäppchenjäger“ im größeren Stil fernbleiben.
Auch Ethereum konnte sich dem Abwärtstrend nicht entziehen und fiel um 2,7 Prozent auf 1.949 Dollar. XRP verlor 2,5 Prozent, Solana 3,3 Prozent. Die Marktkapitalisierung des gesamten Kryptomarktes schrumpfte um 2,2 Prozent auf 2,29 Trillionen Dollar. Für deutsche Krypto-Anleger ist die Botschaft klar: Solange die Fed nicht deutlich signalisiert, dass Zinssenkungen kommen, bleibt Bitcoin unter Druck. Die erhoffte Erholung nach dem Januar-Crash lässt weiter auf sich warten.
T-Mobile US enttäuscht: Deutsche Telekom-Aktie gibt nach
Die Deutsche Telekom startete stark in den Tag, drehte dann aber ins Minus. Grund waren die Quartalszahlen der US-Tochter T-Mobile US, die beim Neukundenzuwachs und beim Gewinn je Aktie hinter den Erwartungen zurückblieben. Im vierten Quartal gewann T-Mobile US 962.000 neue Vertragskunden – Analysten hatten mit 992.000 gerechnet. Der Gewinn je Aktie lag mit 1,88 Dollar deutlich unter den erwarteten 2,05 Dollar.
Die Telekom-Aktie verlor daraufhin 1 Prozent auf 29,89 Euro, nachdem sie zuvor noch ein neues Jahreshoch bei 30,71 Euro markiert hatte. T-Mobile US brach im vorbörslichen Handel in den USA um fast 5 Prozent ein. Für das laufende Jahr stellte die US-Tochter einen bereinigten operativen Gewinn von 37,0 bis 37,5 Milliarden Dollar in Aussicht – die Prognose für den freien Cashflow blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück.
Die Deutsche Telekom betonte, keine Pläne für den Verkauf weiterer T-Mobile-Anteile zu haben. CEO Tim Höttges erklärte: „Als Mehrheitsaktionärin stehen wir fest hinter der Strategie und der Ausrichtung auf ein starkes und nachhaltiges Ergebniswachstum von T-Mobile US.“ Für deutsche Anleger bleibt die US-Tochter ein wichtiger Werttreiber – doch die heutigen Zahlen zeigen, dass auch hier die Wachstumsdynamik nachlässt.
Ausblick: Inflation, Lufthansa-Streik und Tech-Nervosität
Die kommenden Tage dürften spannend bleiben: Am Freitag stehen die US-Verbraucherpreise auf der Agenda – ein Schlüsseldatum für die weitere Zinsentwicklung. Sollte die Inflation hartnäckig hoch bleiben, dürften Zinssenkungshoffnungen weiter schwinden – mit entsprechenden Folgen für Aktien und Krypto. In Deutschland sorgt am Donnerstag ein ganztägiger Streik bei Lufthansa und Lufthansa Cargo für Chaos an den Flughäfen: Piloten und Kabinenpersonal legen gleichzeitig die Arbeit nieder, hunderte Flüge wurden bereits gestrichen.
Und dann ist da noch die Nervosität rund um Künstliche Intelligenz: Immer mehr Branchen geraten unter Druck, weil Anleger befürchten, dass KI-Tools etablierte Geschäftsmodelle gefährden könnten. Nach Versicherern und Softwareunternehmen trifft es nun auch Online-Broker und Vermögensverwalter. Die Frage ist nicht mehr, ob KI die Märkte verändert – sondern wer am Ende zu den Gewinnern zählt.
Eines ist klar: Wer heute erfolgreich sein will, muss operative Stärke zeigen, transparent kommunizieren und sich schnell anpassen. Siemens Energy macht es vor, Gerresheimer zeigt, was passiert, wenn das Vertrauen bröckelt. Und Bitcoin? Wartet weiter auf den Moment, in dem die Fed das Zepter wieder an die Bullen übergibt.
Bis morgen – mit neuen Zahlen, neuen Erkenntnissen und hoffentlich klareren Signalen aus den USA.
Herzliche Grüße
Andreas Sommer


