Liebe Traderinnen und Trader,
163 Euro und ein Plus von 68 Prozent binnen eines Jahres – Siemens Energy führt den DAX an, und der Grund liegt nicht im eigenen Zahlenwerk, sondern bei einem Kunden wie Anthropic, dessen Umsatz sich im zweistelligen Vielfachen zum Vorjahr multipliziert. Jedes neue Rechenzentrum braucht Netzanschluss, Transformatoren, Turbinen. Das ist heute die eigentliche Geschichte: Während TUI eine geopolitische Rechnung präsentiert und Bitcoin an einer historischen Linie zittert, zeigt sich, wie ungleich Kapital derzeit verteilt wird – zwischen Energie-Infrastruktur, die vom KI-Boom profitiert, und Reisekonzernen, die noch Kriegsfolgen verbuchen.
Siemens Energy: Der KI-Stromhunger wird zur Aktienstory
Siemens Energy notiert bei rund 163 Euro, gut ein Prozent über dem Vortagesniveau, und führt damit den DAX an. Operativ liefert der Konzern die Basis für genau jene Rechenzentrums-Welle, die Anbieter wie Anthropic gerade treibt: Im dritten Quartal stieg der Umsatz um gut 17 Prozent auf 11,45 Milliarden Euro, der Gewinn je Aktie lag bei 1,28 Euro. Bei der Dividende hält der Konzern an seiner Ausschüttungsquote von 40 bis 60 Prozent fest; konkrete Zahlen für 2026 stehen noch aus, Analysten kalkulieren aber bereits mit Werten deutlich über der Vorjahresdividende von 0,70 Euro. Charttechnisch hat die Aktie in 30 Tagen rund 10 Prozent zugelegt, bleibt aber mit einem Abstand von rund 32 Euro zum Allzeithoch von 195,38 Euro aus dem April noch nicht ausgereizt – sofern die Energienachfrage-These der KI-Infrastruktur weiter trägt.
Hinter dem Kursfeuerwerk bei Siemens Energy steckt ein Muster, das sich in vielen Depots noch nicht widerspiegelt: Rechenzentren treiben nicht nur Chiphersteller, sondern die gesamte Infrastruktur dahinter. Ein aktueller Report bündelt die zehn Big-Data-Werte, die als eigentliche Nutznießer der KI-Welle gelten – kompakt und verständlich aufbereitet. Jetzt Report zu den Big-Data-Gewinnern sichern
TUI: Die Dubai-Rückkehr als Wette auf Entspannung
Ganz anders die Lage bei TUI. Der Reisekonzern verbuchte im dritten Quartal (April bis Juni) einen Ergebniseinbruch von 27 Prozent auf 234 Millionen Euro – deutlich unter dem Analystenkonsens von 275 Millionen Euro. Grund ist die Eskalation zwischen den USA und Iran, die TUI rund 60 Millionen Euro kostete, davon 20 Millionen allein durch umgeleitete Kreuzfahrtschiffe. Die Kundenzahl sank um 3,3 Prozent auf 9,9 Millionen, das Angebot wurde um 5 Prozent zurückgefahren. Immerhin: Ab September nimmt TUI Dubai und Abu Dhabi wieder ins Programm – ein Signal, dass der Konzern selbst von einer Entspannung in der Region ausgeht. Die Jahresprognose von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro Gewinn bleibt bestätigt, an der Börse kam das trotzdem nur bedingt an: Die Aktie schloss bei 7,12 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent, und liegt damit rund 21 Prozent unter dem Vorjahresniveau sowie deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 9,50 Euro aus dem Februar. Für Trader bleibt TUI damit eine Geopolitik-Wette: Bestätigt sich die Dubai-Rückkehr als Trendwende, ist bei den aktuellen Kursniveaus schon einiges an Enttäuschung eingepreist.
Bitcoin an der 200-Wochen-Linie, Bitmine baut Ethereum-Position aus
Bitcoin notiert bei rund 64.100 Dollar und damit fast exakt auf der 200-Wochen-Durchschnittslinie bei etwa 64.200 Dollar – der Marke, an der sich diese Woche entscheidet, ob der Aufwärtsversuch trägt oder der Kurs wieder darunter zurückfällt. Belastend wirken Abflüsse aus US-Spot-Bitcoin-ETFs von rund 390 Millionen Dollar in der vergangenen Woche. Ethereum zeigt sich robuster: Der Kurs liegt bei etwa 1.910 Dollar, rund 1,6 Prozent im Plus, nähert sich der Widerstandszone um 1.960 Dollar, während der Support bei 1.872 Dollar bislang hält. Institutionelles Interesse stützt das Bild: Bitmine Immersion Technologies unter Tom Lee hat weitere 9.926 ETH im Wert von rund 19 Millionen Dollar zugekauft und hält nun 5,82 Millionen ETH – etwa 4,8 Prozent der zirkulierenden Menge. Das selbst gesetzte Ziel von 5 Prozent rückt damit in greifbare Nähe, das Gesamtportfolio ist rund 11 Milliarden Dollar schwer. Wer Ethereum-Exposure sucht, findet hier einen validierten Nachfrage-Anker jenseits der reinen Kursspekulation.
SpaceX: Norwegens Staatsfonds mischt mit, Tradegate-Kurs zieht kräftig an
Auch außerhalb der klassischen Kryptomärkte fließt institutionelles Kapital in Infrastruktur mit Zukunftsversprechen: Der norwegische Staatsfonds NBIM hält SpaceX-Anteile im Wert von 1,22 Milliarden Dollar (7,3 Millionen Class-A-Aktien, 0,05 Prozent des Kapitals, Stand Ende Juni). Die Zahlen dahinter überzeugen: Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar, der Nettoverlust schrumpfte von 1,0 Milliarden auf 541 Millionen Dollar, das bereinigte EBITDA legte um 191 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar zu – getragen auch von mittlerweile 12 Millionen Starlink-Abonnenten. Deutsche Anleger können über die Tradegate-Notierung mitziehen: Dort steht die Aktie aktuell bei 129 Euro, im Tagesverlauf gut 6,6 Prozent höher, nach einem 30-Tage-Plus von rund 19 Prozent. Der Kurs hat sich damit spürbar von seinem 52-Wochen-Tief Anfang August erholt, bleibt aber weiterhin klar unter dem Hoch aus dem Juni. Elon Musk hält weiterhin knapp 48,4 Prozent der Anteile sowie über 82 Prozent der Stimmrechte.
Apple: Ein Unsicherheitsfaktor weniger
Das Bundeskartellamt hat sein Verfahren gegen Apple wegen personalisierter Werbung in Apps abgeschlossen. Apple verpflichtet sich für sieben Jahre zu den vereinbarten Regeländerungen und muss sie binnen vier Monaten umsetzen. Für Anleger ist das vor allem eines: ein beseitigtes Risiko, keine Kurstreiber-Nachricht. An der Tradegate-Börse notiert Apple bei 261,70 Euro, im Tagesverlauf rund ein Prozent leichter, nachdem die Aktie in den vergangenen 30 Tagen bereits rund 10 Prozent verloren hat. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 32 Prozent, seit Jahresbeginn von 13 Prozent. Die Konsolidierung der letzten Wochen dürfte damit weniger regulatorisch als bewertungsgetrieben sein – das deutsche Kartellverfahren nimmt lediglich einen Unsicherheitsfaktor von der Liste.
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Marschroute
Bei Bitcoin entscheidet die 200-Wochen-Linie bei 64.200 Dollar über die kurzfristige Richtung – ein nachhaltiger Bruch nach unten würde die ETF-Abflüsse bestätigen, ein Halten würde institutionelle Ethereum-Käufe als strukturelle Stütze für den gesamten Kryptomarkt lesbar machen. Bei Siemens Energy bleibt die KI-Stromnachfrage der Kurstreiber Richtung Allzeithoch bei 195,38 Euro. Bei TUI ist die 7,12-Euro-Marke der Ausgangspunkt: Setzt sich die Dubai-Rückkehr als Signal einer Nahost-Entspannung durch, ist ein Teil der Enttäuschung bereits eingepreist. Und bei Apple lohnt der Blick, ob die jüngste Schwäche nach dem Wegfall des deutschen Kartellrisikos eine Einstiegsgelegenheit markiert oder die Bewertung erst noch weiter atmen muss.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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