Liebe Traderinnen und Trader,

diese Woche mussten sich die KI-Werte fragen lassen, was sie eigentlich wert sind. Siemens Energy hat die Antwort am härtesten zu spüren bekommen und schloss am Freitag auf dem tiefsten Stand seit sechs Monaten.

Bei Lam Research reichte nicht einmal ein Rekordquartal, um den Kurs zu halten. Interessant ist, ob der Markt dort gerade eine Verschiebung mit einer Zerstörung verwechselt. Und an welchen Marken sich ab Montag ein Einstieg ergeben könnte.

Siemens Energy: Gefallen ohne eigenen Fehler

Siemens Energy hat sich nichts zuschulden kommen lassen und trotzdem kräftig verloren. Auslöser war Metas Botschaft vom Donnerstag: Investitionen von mindestens 135 Milliarden Dollar im Jahr 2026, während mehr Geld hinausfließt, als das Geschäft einbringt.

Der Markt zweifelt, ob sich der KI-Ausbau finanzieren lässt, und Siemens Energy ist der deutsche Hebel auf genau diese Nachfrage. Der US-Rivale GE Vernova brach am Donnerstag sogar noch stärker ein.

Wo ist der Haken? Im Geschäft jedenfalls kaum: Im dritten Geschäftsquartal stieg der Auftragsbestand auf 162 Milliarden Euro, Stornierungen im KI-Bereich gab es laut dem Investor-Relations-Chef keine. Er warnte allerdings vor einem Dämpfer im vierten Quartal bei Gas Services und Gamesa Offshore. Pikant ist die Analystenlage: Selbst Barclays, mit „Untergewichten“ der Pessimist im Feld, setzt das Kursziel bei 130 Euro an, über dem aktuellen Kurs.

Teuer bleibt die Aktie trotzdem. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt an, wie viele Jahresgewinne der Börsenwert kostet. Bei Siemens Energy liegt es klar über dem Branchenschnitt, ist aber nur halb so hoch wie bei GE Vernova.

Der Chart erzählt eine unfreundlichere Geschichte. Eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist aktiviert. Dieses Umkehrmuster hat ein rechnerisches Ziel bei rund 92 Euro. Ein Kaufsignal entstünde erst, wenn die Aktie 141 Euro zurückerobert. Wer jetzt antizyklisch zugreift, kauft gegen den Trend. Der nächste wichtige Termin sind die Jahreszahlen am Mittwoch, 11. November, nicht der Montag.

Lam Research: Rekord verkauft, Verschiebung übersehen

Lam Research hat ein Quartal abgeliefert, für das sich andere feiern lassen würden. Der Umsatz erreichte 8,22 Milliarden Dollar, Umsatz und Gewinn lagen über den Erwartungen. Trotzdem verlor die Aktie am Donnerstag fast 12 Prozent und riss den gesamten Sektor der Halbleiterausrüster mit.

Warum dann der Absturz? Die Prognose für das Dezember-Quartal enttäuschte. Ein Teil der Lieferungen rutscht wegen Engpässen bei Gassubsystemen, Reinräumen und Komponenten ins März-Quartal. TD Cowen rechnet mit zwei Quartalen, bis die Lieferkette aufholt. Die Analysten senkten ihre Kursziele, stuften die Aktie aber nicht ab.

Hier liegt der Punkt, den viele übersehen. Wer an die Nachfrage glaubt, sieht Umsatz, der sich verschiebt, nicht Umsatz, der verschwindet. Lam selbst taxiert die weltweiten Ausgaben für Chipfertigungsanlagen 2027 auf über 200 Milliarden Dollar. Am Freitag schloss die Aktie praktisch unverändert, Applied Materials und ASML drehten leicht ins Plus. Das ist ein erster Hinweis, dass der Kurs einen Boden findet, aber noch kein Signal.

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Welche Unternehmen von der nächsten Welle der KI-Revolution profitieren könnten, zeigt Carsten Müller im Live-Webinar „Der Robo-Boom“. Während sich bei Chip-Ausrüstern wie Lam Research aktuell die Frage stellt, ob eine Verschiebung oder ein echter Einbruch vorliegt, geht es im Webinar um ein Marktsegment, das laut Müller gerade an jenem Punkt steht, an dem KI-Chatbots Ende 2022 standen: Die ersten humanoiden Roboter laufen in Serie vom Band, Großbanken vervielfachen ihre Prognosen. Müller stellt fünf Unternehmen vor, die von diesem Trend profitieren könnten, und zeigt live seine dreistufige Robo-Boom-Triage, mit der sich jede Roboter-Aktie selbst prüfen lässt. Das Webinar findet morgen, Sonntag, um 18:00 Uhr statt. Jetzt kostenlos zum Webinar „Der Robo-Boom“ anmelden

DAX: Knapp über der runden Marke

Ganz anders als bei den Chipwerten fehlt beim DAX die Rekordgeschichte. Der Index rutschte am Freitag bis fast an die 25.000 Punkte und beendete die Woche im Minus. Darunter warten die langfristige Durchschnittslinie bei rund 24.880 Punkten und das Vorjahreshoch als Netz.

Belastend wirkt neben der KI-Debatte Frankreich. Der Renditeabstand französischer zu deutschen Staatsanleihen weitete sich auf 172 Basispunkte, den höchsten Stand seit 15 Jahren. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozentpunkt.

Ist das der Anfang eines breiten Ausverkaufs? Eher nicht. Der Dow Jones und der Russell 2000, der Index kleinerer US-Firmen, schlossen die Woche im Plus. Die Marktbreite jenseits von Big Tech ist intakt, der Abverkauf ist ein Sektor-, kein Marktproblem.

Öl statt Gold

Brent-Öl notiert nach Huthi-Angriffen auf saudische Infrastruktur über 116 Dollar und hat sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Der Energiesektor im S&P 500 markierte am Freitag ein Rekordhoch. Der Ölservice-Konzern SLB legte nach starken Quartalszahlen kräftig zu.

Und Gold? Findet trotz der Eskalation in Nahost keine Käufer. Der Preis rutschte am Freitag unter 4.000 Dollar, das Tief der vergangenen zwölf Monate rückt in Reichweite. Wer Gold als Krisenschutz hält, sollte das zur Kenntnis nehmen.

Bitcoin: Die Ruhe vor der Bewegung

Bitcoin fiel am Samstag auf rund 79.700 Dollar, den tiefsten Stand seit über einem Monat. Auslöser war laut Wall Street Journal die Evakuierung von US-Personal im Nahen Osten wegen drohender iranischer Angriffe. Schon am Freitag hatte der Kurs erstmals seit August unter seiner mittelfristigen Durchschnittslinie geschlossen.

Spannender ist etwas anderes. Die Bollinger-Bänder, eine Art Schwankungskorridor um den Kurs, sind so eng wie seit Jahren nicht. Das kündigt einen größeren Ausbruch an, verrät aber nicht die Richtung. Hält die Marke von 80.000 Dollar nicht, droht ein Test von 78.000 Dollar.

Ein Lichtblick kommt aus der Schweiz. Die FINMA hat den ersten direkten Spot-Bitcoin-ETF genehmigt, einen börsengehandelten Fonds, der Bitcoin selbst hält. Der Handel an der SIX soll im November starten.

Marschroute

Bei Siemens Energy ist das Freitagstief von 117,30 Euro der Anker für den Stopp, ein Kaufsignal gibt es erst über 141 Euro. Bei Lam Research entscheidet die Handelsspanne vom Freitag über die Bodenbildung, und der Halbleiterindex muss sein Freitagsplus bestätigen. Am Mittwoch tagt die Fed, am Donnerstag die EZB. Merck Finck erwartet Zinspausen, aber eine Erhöhung im Dezember.

Im DAX gilt es, die 25.000 Punkte zu halten, bei Bitcoin heißt die Aufgabe, 80.000 Dollar zurückzuerobern. Dazu kommen Quartalszahlen von Alphabet, Microsoft und Amazon. Wer die KI-Werte handelt, wartet die Reaktion auf Microsoft und Amazon ab, bevor er bei Siemens Energy oder den Ausrüstern einsteigt.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer