CEO Bernd Montag rührt in London kräftig die Werbetrommel. Auf dem J.P. Morgan European Healthcare Forum will er verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Das Ergebnis? Die Anleger verkaufen weiter. Die Aktie von Siemens Healthineers verliert am Donnerstag 1,91 Prozent und rutscht auf 33,85 Euro ab.

Der Rücksetzer passt ins Bild. Seit Januar hat das Papier knapp 24 Prozent an Wert eingebüßt. Für mich ist klar: Die aktuelle globale „Vertrauenstour“ des Managements verfehlt ihre Wirkung völlig. Nach der schmerzhaften Prognosesenkung im Mai reicht Präsentationsfolien-Lyrik einfach nicht mehr aus. Der Markt schaut auf die echten Baustellen.

China bleibt das Kernproblem

Die Probleme in Fernost sind keine vorübergehende Delle. Mein Urteil fällt hier nüchtern aus. Chinas struktureller Wandel trifft den Medizintechnikkonzern im Kern. Lokale Beschaffungsquoten und harte Preisanpassungen in der Labordiagnostik belasten das Geschäft massiv. Parallel dazu fressen Zölle und teure Lieferketten die Margen auf. Besonders Speicherchips und Logistik machen das Leben schwer.

Die Folgen sind in den Büchern sichtbar. Die EBIT-Marge in der Diagnostik-Sparte brach im zweiten Quartal auf unter ein Prozent ein. Ein alarmierendes Signal. Der Vorstand steuert seit Anfang Juni mit einem Aktienrückkaufprogramm gegen. Das wirkt auf mich jedoch wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Solange das China-Geschäft wackelt, greift diese Maßnahme ins Leere.

Gefährliche Nähe zum Tief

Auch der Blick auf den Chart bereitet mir Sorgen. Mit dem aktuellen Kurs trennen die Aktie nur noch gut drei Prozent vom 52-Wochen-Tief. Bricht diese Unterstützung, droht eine neue Verkaufswelle.

Die wichtigen Trendlinien sind längst außer Reichweite. Der gleitende Durchschnitt der vergangenen 200 Tage verläuft weit entfernt bei über 41 Euro. Selbst die kurzfristige 50-Tage-Linie bleibt vorerst ein unüberwindbares Widerstandsniveau.

Mein Fazit fällt eindeutig aus. Siemens Healthineers muss im Kerngeschäft handfeste operative Verbesserungen liefern. Schöne Worte in London kompensieren das makroökonomische Risiko nicht. Bis der Kurs die 50-Tage-Linie zurückerobert, bleibt die Aktie für mich ein fallendes Messer. Die geplante Abspaltung vom Mutterkonzern im Februar 2027 bietet zwar langfristig Fantasie. Für den Moment ändert dieses ferne Datum aber nichts am massiven Verkaufsdruck. Die Bodenbildung wird schmerzhaft.