Liebe Leserinnen und Leser,
274,30 Euro – auf diesem Allzeithoch markierte die Siemens-Aktie heute ihren Triumph und überholte SAP als wertvollstes DAX-Unternehmen. Während die Münchner mit angehobener Prognose glänzen, kämpft Mercedes-Benz mit einem Margenausblick, der Anleger ernüchtert. Der DAX selbst? Kratzte kurzzeitig an der 25.200-Punkte-Marke, nur um am Abend wieder an der Nulllinie zu landen. Drei Schlagzeilen, eine Botschaft: Die deutschen Bluechips suchen noch immer nach nachhaltiger Richtung – und morgen könnten US-Inflationszahlen die Weichen stellen.
Siemens übernimmt die DAX-Krone – SAP verliert ein Drittel seit Jahreshoch
Mit einem Kurssprung von zeitweise fast sieben Prozent auf 273,40 Euro hat Siemens heute nicht nur ein neues Rekordhoch erreicht, sondern auch SAP als wertvollstes DAX-Unternehmen abgelöst. Die Marktkapitalisierung der Münchner kletterte auf über 217 Milliarden Euro, während der Walldorfer Softwarekonzern bei rund 210 Milliarden Euro verharrt. Für SAP bedeutet das einen symbolischen Machtverlust: Seit dem Rekord vor einem Jahr hat die Aktie mehr als ein Drittel an Wert verloren – KI-Sorgen und Wettbewerbsdruck durch neue Technologien lasten schwer.
Was Siemens gelingt, ist bemerkenswert: Das Unternehmen übertraf im ersten Geschäftsquartal die Erwartungen bei Auftragseingang, Umsatz und Marge. Besonders die Bereiche Digital Industries und Smart Infrastructure lieferten starke Margen. Nun hob der Konzern die Prognose für den Gewinn je Aktie auf 10,70 bis 11,10 Euro an – zuvor waren 10,40 bis 11,00 Euro in Aussicht gestellt worden. Analysten von JP Morgan lobten den „starken Start ins Geschäftsjahr“ und sehen Potenzial für weitere Anhebungen im Jahresverlauf. RBC hob das Kursziel von 245 auf 270 Euro, während Jefferies auf kräftiges Wachstum im Bereich Rechenzentren und Automatisierung in China verwies. Siemens profitiert damit von zwei Megatrends: dem KI-getriebenen Ausbau von Rechenzentrumsinfrastruktur und der anhaltenden Nachfrage nach Automatisierungslösungen.
Mercedes enttäuscht mit Margenausblick – China und Zölle belasten
Während Siemens triumphiert, kämpft Mercedes-Benz mit den Nachwehen eines schwachen Schlussquartals. Die Aktie rutschte zeitweise um fast sechs Prozent ab, konnte das Minus aber auf 1,5 Prozent reduzieren. Der Grund: Die bereinigte operative Marge im Pkw-Geschäft soll 2026 nur zwischen 3 und 5 Prozent liegen – im besten Fall also auf Vorjahresniveau von 5 Prozent. Analysten hatten mit 5,8 Prozent gerechnet. Erst 2027 will Mercedes wieder eine zweistellige Marge anpeilen.
Besonders bitter: Das vierte Quartal 2025 verfehlte die Konsensschätzungen beim bereinigten Ebit um 29 Prozent, wie Bernstein Research vorrechnete. Verantwortlich sind vor allem die Geschäfte in China, wo wohlhabende Käufer zurückhaltend bleiben und lokale Konkurrenten wie BYD und Geely Marktanteile erobern. Hinzu kommen Zölle: Die USA verlangen 25 Prozent auf mexikanische Autos, während Exporte aus den USA nach China ebenfalls belastet werden. Mercedes rechnet 2026 mit Zollbelastungen von über einer Milliarde Euro – mehr als im Vorjahr.
Konzernchef Ola Källenius setzt auf eine Modelloffensive: 40 neue Modelle sollen bis 2027 den Absatz wieder auf rund zwei Millionen Autos heben – 200.000 mehr als 2025. Hoffnungsträger sind die elektrischen Varianten des CLA und der E-Klasse sowie die erneuerte S-Klasse. Doch bis dahin bleibt 2026 ein Übergangsjahr. Immerhin: Mercedes will durch den Verkauf von Daimler-Truck-Anteilen rund zwei Milliarden Euro einnehmen, um Dividende und Aktienrückkauf zu finanzieren. Die Daimler-Truck-Aktie reagierte mit einem Minus von 2,3 Prozent.
DAX scheitert erneut an der 25.000er-Marke – US-Inflationsdaten im Fokus
Der DAX startete mit 0,82 Prozent Plus bei 25.060 Punkten in den Handel und kletterte zeitweise sogar über 25.200 Punkte. Doch am Nachmittag schmolzen die Gewinne förmlich dahin – am Ende stand ein Minus von 0,01 Prozent auf 24.852 Punkte. Die 25.000-Punkte-Marke bleibt damit eine hartnäckige Hürde. Während Siemens und die Deutsche Telekom (plus 6,1 Prozent dank positiver Signale von T-Mobile US) den Index stützten, lasteten Mercedes, Heidelberg Materials (minus 11 Prozent) und Thyssenkrupp (minus 12,2 Prozent) schwer.
Der Grund für die Schwäche am Nachmittag: Die Wall Street drehte ins Minus. Der Dow Jones verlor 1,0 Prozent, der Nasdaq 100 sackte um 1,6 Prozent ab. Technologieaktien litten unter dem enttäuschenden Zahlenwerk von Cisco, dessen Margendruck die KI-Erfolge überschattete. Nun richten sich alle Blicke auf die US-Inflationszahlen am Freitag. Nach dem überraschend guten Arbeitsmarktbericht vom Mittwoch – 130.000 neue Jobs statt erwarteter 70.000 – schwinden die Zinssenkungshoffnungen. Die Landesbank Helaba sprach von einem „zweischneidigen Schwert“: Gute Konjunkturdaten sind positiv, doch sie geben der Fed weniger Spielraum für Zinssenkungen.
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Krypto-Märkte stabilisieren sich leicht – Bitcoin bei 68.000 Dollar
Während die Aktienmärkte schwächeln, zeigen sich die Kryptomärkte erstaunlich robust. Bitcoin legte 1,5 Prozent auf 68.338 Dollar zu, bleibt aber 46 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.198 Dollar vom Oktober 2025. Ethereum verlor dagegen 1,9 Prozent auf 1.994 Dollar und notiert 60 Prozent unter dem Rekord. Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen stieg um 1,3 Prozent auf 2,32 Billionen Dollar.
Auffällig: US-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Mittwoch Abflüsse von 276 Millionen Dollar, während Ethereum-ETFs 129 Millionen Dollar verloren. Fidelity führte bei beiden die Verkaufsliste an. Dennoch zeigt sich eine gewisse Stabilisierung nach den dramatischen Verlusten der Vorwochen. XRP gewann 2 Prozent, BNB sogar 3,4 Prozent, und Dogecoin sprang um 4,9 Prozent. Die Frage bleibt: Ist das der Boden – oder nur eine technische Erholung vor dem nächsten Abwärtsimpuls?
Rüstungssektor im Aufwind – Hensoldt und Helsing schmieden KI-Partnerschaft
Während Industriewerte wie Thyssenkrupp und Heidelberg Materials unter Druck stehen, profitiert der Rüstungssektor von geopolitischen Spannungen. Hensoldt und das deutsche KI-Startup Helsing gaben heute eine strategische Partnerschaft bekannt: Das KI-gestützte autonome Kampfflugzeug CA-1 Europa von Helsing soll künftig mit Sensorik von Hensoldt ausgestattet werden – darunter Radar, Optronik und elektromagnetische Kampfführung. Die Hensoldt-Aktie legte zeitweise 1,2 Prozent zu.
Auch Palantir machte Schlagzeilen: Die US-Verteidigungsbehörde DISA genehmigte das neue Produkt „PFCS Forward“, das hochsensible Software (Impact Level 5 und 6) nun auch auf lokaler Hardware und direkt im Feld einsetzbar macht – ohne zentrale Cloud-Anbindung. Das ist ein strategischer Durchbruch für die moderne Kriegsführung, wo Daten in Sekunden dort verarbeitet werden müssen, wo sie entstehen. Für Konkurrenten wird es damit immer schwerer, Palantir zu verdrängen. Die Aktie gewann vorbörslich 0,71 Prozent.
Ausblick: Inflationsdaten als Richtungsentscheid
Morgen werden die US-Inflationszahlen zeigen, ob die Fed tatsächlich weniger Spielraum für Zinssenkungen hat. Ein überraschend hoher Wert könnte die Zinssenkungshoffnungen weiter dämpfen – schlecht für Aktien und Krypto. Ein moderater Anstieg würde dagegen Luft nach oben schaffen. Der DAX steht vor der Entscheidung: Schafft er den nachhaltigen Ausbruch über 25.000 Punkte – oder war der heutige Vorstoß nur ein weiteres Strohfeuer?
Für deutsche Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Siemens zeigt, dass Qualität und KI-Nähe belohnt werden. Mercedes mahnt, dass selbst Premium-Marken im globalen Wettbewerb unter Druck geraten. Und der DAX? Er spiegelt diese Zerrissenheit perfekt wider.
Bis morgen – mit hoffentlich klareren Signalen aus den USA.
Beste Grüße
Andreas Sommer


