Siemens: Milliarde Euro KI-Investitionen nach USA

Siemens-Chef Roland Busch droht, Milliarden für industrielle KI wegen EU-Regulierung in die USA zu verlagern. Kanzler Merz unterstützt die Forderung nach Ausnahmen.

Siemens Aktie
Kurz & knapp:
  • Busch kritisiert EU AI Act scharf
  • Milliarden-Investitionen drohen nach USA abzufließen
  • Merz stellt sich hinter Siemens-Position
  • Siemens investiert 67 Mio. Euro in Vulcan-Lithiumprojekt

„Ich kann meinen Aktionären nicht erklären, warum ich Geld in einem Umfeld investiere, in dem ich behindert werde.“ Mit diesen Worten hat Siemens-Chef Roland Busch auf der Hannover Messe eine direkte Warnung nach Brüssel geschickt.

EU-Regulierung treibt Milliarden in die USA

Der Kern der Kritik ist präzise. Busch argumentiert, der EU AI Act und der Data Act unterscheiden nicht zwischen industriellen KI-Anwendungen und Verbraucher-Software. Fabriken und Automatisierungssysteme fallen in denselben regulatorischen Topf wie Chatbots und Konsumenten-Apps. Das hält er für strukturell falsch.

Die Konsequenz: Den Großteil des geplanten Milliarden-Investitionspakets für industrielle KI will Busch in die USA lenken. Europa geht leer aus — solange sich nichts ändert.

Bundeskanzler Friedrich Merz stellt sich hinter diese Position. Auf der Hannover Messe kündigte er an, sich dafür einzusetzen, industrielle KI aus dem aktuellen EU-Rahmen herauszulösen. Eine direkte öffentliche Intervention eines deutschen Regierungschefs gegen ein laufendes EU-Regulierungsregime ist selten.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Siemens?

Die Europäische Kommission hat bereits Zugeständnisse gemacht. Sie schlug vor, Regeln für Hochrisiko-KI-Systeme um bis zu 16 Monate zu verschieben und Meldepflichten zu vereinfachen. Busch hält das für unzureichend.

Siemens als Softwarekonzern

Der Hintergrund erklärt die Schärfe des Tons. Siemens ist inzwischen das wertvollste börsennotierte Unternehmen Deutschlands — Software macht bereits mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes aus. Mit den Akquisitionen von Altair und Dotmatics für zusammen rund 15 Milliarden US-Dollar hat Busch den Konzern tief in Simulation und KI-Anwendungen geführt. Regulatorische Hürden treffen Siemens damit direkt im Kerngeschäft.

Die Aktie notiert bei 243,70 Euro und liegt damit rund 14 Prozent über dem Stand vor einem Monat. Auf Jahressicht beträgt das Plus 27 Prozent.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Siemens?

Lithium-Projekt als europäisches Gegengewicht

Parallel zur Regulierungsdebatte setzt Siemens auf ein konkretes europäisches Industrieprojekt. Mit Vulcan Energy unterzeichnete der Konzern eine Rahmenvereinbarung für das Lionheart-Projekt im Oberrheintal — Europas erstes vollständig integriertes Lithium- und Erneuerbare-Energien-Vorhaben.

Siemens übernimmt die Rolle des Hauptautomatisierungspartners für Vulcans Lithium-Extraktionsanlagen in Landau und Frankfurt. Vulcan verpflichtet sich zu Bestellungen von mindestens 40 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Eigenkapitalbeteiligung von Siemens Financial Services in Höhe von 67 Millionen Euro. Das Projekt zielt auf eine Jahreskapazität von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid ab — genug für rund 500.000 Elektrofahrzeugbatterien.

Der nächste große Test für den Kurs kommt im Mai. Dann legt Siemens die Ergebnisse für das zweite Quartal vor — der erste Quartalsbericht unter neuer CFO Veronika Bienert, die Anfang April das Amt von Ralf Thomas übernommen hat.

Siemens-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Siemens-Analyse vom 22. April liefert die Antwort:

Die neusten Siemens-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Siemens-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Siemens: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Siemens

Über Felix Baarz 3626 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.