Nach acht aufeinanderfolgenden Verlusttagen zeigte Silber am Freitag eine Gegenbewegung — doch der Kontext trübt die Erholung erheblich ein. Der Spot-Preis war zuvor auf rund 65 USD je Unze gefallen, den tiefsten Stand seit Mitte Dezember. Auslöser war nicht ein einzelnes Ereignis, sondern eine Kombination aus geldpolitischem Signal, steigenden Renditen und massiven Investorenabflüssen.

Fed dreht Zinspfad scharf um

Das aktualisierte „Dot Plot“ der US-Notenbank vom 18. März markiert den Wendepunkt. Statt der zuvor antizipierten drei Zinssenkungen signalisiert die Fed nun null bis bestenfalls eine Senkung für das restliche Jahr 2026 — der Median der Jahresendprojektion verschob sich von 2,9 % auf 3,4 %. Gleichzeitig kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,25 %, was die Opportunitätskosten des Haltens von Silber deutlich erhöhte.

Die Folge: massive Auflösungen von Long-Positionen an den Terminmärkten sowie erhebliche Abflüsse aus ETFs. Der größte silbergedeckte Fonds, SLV, verlor im bisherigen Jahresverlauf über 3,6 Milliarden Dollar an Vermögen. Silber traf es dabei härter als Gold — weil die Nachfrage nach dem weißen Metall zwischen Investment und industrieller Verarbeitung aufgeteilt ist, reagiert es sensibler auf wirtschaftliche Unsicherheit.

Starke Fundamentaldaten, schwacher Preis

Die strukturelle Seite erzählt eine andere Geschichte. Silber befindet sich im fünften aufeinanderfolgenden Defizitjahr; zwischen 2021 und 2026 summiert sich der kumulative Fehlbetrag auf 820 Millionen Unzen. Die Minenproduktion stagniert bei rund 813 Millionen Unzen jährlich, da die Förderung stärker vom Basismetallzyklus als vom Silberpreis selbst abhängt.

Hinzu kommt der Solarboom: Die IEA erwartet bis 2030 weltweit 4.000 Gigawatt neue Solarkapazität — allein dieser Sektor könnte die Silbernachfrage bis dahin um jährlich 150 Millionen Unzen steigern. Trotzdem überwiegen im aktuellen Umfeld die makroökonomischen Belastungen. Das Gold-Silber-Verhältnis liegt bei rund 80:1, ein historisch hoher Wert, der zeigt, wie stark Silber relativ zu Gold abgewertet hat.

Mit einem Kurs von zuletzt 69,66 USD notiert Silber rund 40 % unter dem Jahreshoch von 116,89 USD aus dem Januar — technisch Bärenmarktterritorium. Ob der Rebound vom Freitag mehr als eine kurzfristige Gegenbewegung ist, hängt maßgeblich davon ab, ob die US-Inflationsdaten in den kommenden Wochen den Druck auf die Fed mildern und eine Rückkehr zu Zinssenkungserwartungen erlauben.