Der Ölpreisanstieg über 100 US-Dollar pro Barrel und das Ende der Zinssenkungsfantasie treffen Silber mit voller Wucht. Der Preis fiel am Donnerstag um rund 5 % auf etwa 67,71 US-Dollar — und damit deutlich unter die psychologisch bedeutsame Marke von 70 US-Dollar.

Zwei Belastungen, ein Kursrutsch

Auslöser ist die eskalierte Lage im Nahen Osten: Der Iran lehnte einen US-Waffenstillstandsplan ab und forderte die volle Kontrolle über die Straße von Hormuz. Die Sorge vor einer dauerhaften Blockade dieser Handelsroute trieb den Ölpreis auf über 100 US-Dollar je Barrel — und damit die Inflationserwartungen nach oben.

Die Federal Reserve Bank of Cleveland prognostiziert für März einen US-Verbraucherpreisindex von über 3 %. Die Märkte preisen für 2026 keine Zinssenkungen mehr ein, sondern halten eine Zinserhöhung inzwischen für wahrscheinlicher als eine Lockerung. Für Silber, das keine Zinsen abwirft, ist das ein ungünstiges Umfeld.

Hinzu kommt der erstarkende US-Dollar. Investoren suchen Sicherheit im Greenback statt in Edelmetallen — ein Effekt, der Silber als dollarnotiertes Asset für internationale Käufer zusätzlich verteuert und die Nachfrage drückt.

Technisch unter Druck

Marktbeobachter beschreiben eine „Fade the Rally“-Dynamik: Erholungsversuche werden konsequent für Verkäufe genutzt. Als nächste Unterstützungszonen gelten das Tief vom 19. März sowie das Februar-Tief. Hält auch der 200-Tage-EMA nicht, dürfte sich der Abwärtsdruck weiter verstärken. Auf der Oberseite bleibt die Marke von 75 US-Dollar zusammen mit dem 50-Tage-EMA vorerst eine schwer überwindbare Hürde — solange die Kombination aus starkem Dollar und restriktiver Fed-Erwartung anhält.