Silber kostet aktuell 75,83 USD je Unze — knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt, rund 35 Prozent unter dem Januar-Rekordhoch. Das Bild ist widersprüchlich: physische Nachfrage brummt, der Preis tritt trotzdem auf der Stelle.
Chinas Hunger treibt Prämien auf 12 bis 13 Prozent
An der Shanghai Gold Exchange zahlen Käufer derzeit 12 bis 13 Prozent mehr als am westlichen Spotmarkt. In der Vergangenheit stiegen diese Aufschläge zeitweise auf bis zu 22 US-Dollar je Unze. Der Grund: China ist der weltgrößte Silberverbraucher. Solarpanelproduktion und Hochtechnologie-Industrie saugen das Metall auf.
Hinzu kommt ein struktureller Engpass. Peking hat die Silberexporte eingeschränkt. Damit blockiert die Regierung den Arbitrage-Mechanismus zwischen den Märkten — Händler können die Preisdifferenz nicht einfach weghandeln. Das Ergebnis ist eine anhaltende Divergenz zwischen asiatischem Spot-Preis und den COMEX-Futures.
Geopolitik und Zinsen bremsen den Aufschwung
Drohungen, die Straße von Hormus zu sperren, haben die Rohstoffmärkte nervös gemacht. Steigende Ölpreise heizen die Inflationserwartungen an — was Silber als Sachwert eigentlich stützt.
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Allerdings dreht sich dieses Argument schnell. Höhere Inflation bedeutet restriktivere Zentralbanken. Hohe Zinsen machen unverzinste Anlagen wie Silber relativ unattraktiver. Der Gegenwind vom Terminmarkt bleibt deshalb spürbar.
Seitwärts, aber angespannt
Technisch pendelt Silber zwischen dem Februar-Tief und dem Januar-Rekordhoch bei 116,89 USD. Ein klarer Ausbruch nach oben fehlt. Der RSI liegt bei 58,9 — kein überkauftes Terrain, aber auch keine Schwäche. Die annualisierte Volatilität von über 55 Prozent zeigt, wie heftig die Ausschläge zuletzt waren.
Das knappe Angebot und die rekordhohe industrielle Nachfrage in China sprechen mittelfristig für höhere Preise. Konkrete Impulse könnten von den anstehenden US-Wirtschaftsdaten kommen — sie entscheiden mit darüber, wie lange die Fed ihren restriktiven Kurs hält.
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