Silber verliert am Mittwoch deutlich an Wert. Der Grund: steigende US-Anleiherenditen machen das unverzinste Edelmetall unattraktiver. Fundamentale Daten zeichnen dabei ein ganz anderes Bild – sie zeigen ein historisches Angebotsloch.

Anleiherenditen drücken den Kurs

Der Silberpreis notiert aktuell bei rund 62,77 US-Dollar je Feinunze. Das ist ein Rückgang von etwa 1,27 US-Dollar gegenüber dem Vortag. Andere Marktdaten taxieren den Spot-Preis im frühen Handel etwas höher, bei 63,10 US-Dollar.

Der Hauptgrund für den Rückgang liegt am Rentenmarkt. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte auf fast 5,31 Prozent. Das erhöht die Opportunitätskosten für Anleger in Edelmetallen spürbar.

Hinzu kommt Unsicherheit durch steigende Energiekosten. Der Brent-Ölpreis hat die Marke von 91 US-Dollar pro Barrel überschritten. Das schürt Sorgen vor anhaltender Inflation. Viele Marktteilnehmer agieren deshalb vorsichtiger, zumal die Fed bald ihre Sitzungsprotokolle veröffentlicht. Analysten sehen einen klaren Trend: Die Stärke der langfristigen Anleiherenditen überlagert derzeit die Unterstützung durch einen schwächeren US-Dollar.

Ein Defizit von 1,3 Milliarden Unzen

Während die Makro-Faktoren den Preis kurzfristig drücken, zeigen neue Daten vom 18. August ein ganz anderes Problem. Das Silver Institute beruft sich auf Michael DiRienzo. Demnach hat sich zwischen 2020 und 2026 ein rechnerisches Defizit von insgesamt 1,3 Milliarden Unzen Silber angesammelt. Das entspricht rund 41.000 Tonnen des Edelmetalls.

Die fundamentalen Rahmenbedingungen bleiben also angespannt, trotz der aktuellen Kurskorrektur. Eine stagnierende Minenproduktion trifft auf wachsende industrielle Nachfrage. Vor allem drei Bereiche treiben den Bedarf: Photovoltaik, Künstliche Intelligenz und Medizintechnik.

Der Solarsektor allein verschlingt inzwischen knapp 30 Prozent der industriellen Silbernachfrage. 2014 waren es lediglich 11 Prozent. Diese Verschiebung zeigt, wie sehr die Energiewende den Silbermarkt inzwischen prägt.

Konsolidierung nach starkem Lauf

Das aktuelle Kursniveau wirkt wie eine Verschnaufpause nach einer Phase starker Zuwächse. Auf Sicht von zwölf Monaten steht beim Silberpreis immer noch ein Plus von etwa 66,85 Prozent. Auch das Gold-Silber-Verhältnis bewegte sich: Es stieg am Mittwoch leicht auf 69,02, nachdem es am Dienstag noch bei 68,42 gelegen hatte.

Hersteller versuchen zwar, den Silberanteil in Solarzellen zu senken. Der weltweite Ausbau der Solarkapazitäten übertrifft diese Einsparungen bislang aber deutlich. Es bleibt ein Wettlauf zwischen industrieller Effizienz und dem Tempo der grünen Transformation.

Entscheidend wird in den kommenden Handelstagen, ob die Unterstützung bei 60 US-Dollar hält. Bleiben die Anleiherenditen auf hohem Niveau, dürfte der Druck auf Silber zunächst anhalten. Das strukturelle Defizit von 1,3 Milliarden Unzen verschwindet dadurch allerdings nicht – es wartet auf den nächsten Impuls.