Silber verliert am Freitag an Wert, obwohl der Markt strukturell knapp bleibt. Die Feinunze notiert bei 58,08 US-Dollar, ein Minus von 1,6 Prozent. Der Gegensatz zwischen kurzfristiger Schwäche und langfristigem Angebotsdefizit prägt den Handelstag.

First Majestic trotzt steigenden Kosten

First Majestic Silver legte am Donnerstag Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Die nachhaltigen Gesamtkosten stiegen auf 25,68 US-Dollar pro Unze Silberäquivalent. Trotzdem bleibt die Gewinnspanne beim aktuellen Preisniveau komfortabel.

Der Umsatz kletterte um 57 Prozent auf 415,5 Millionen US-Dollar. Höhere Silber- und Goldpreise trieben das Wachstum an. Der Nettogewinn erreichte 109,4 Millionen US-Dollar.

Das Unternehmen erhöht die Dividende und kündigt zusätzliche Aktienrückkäufe an. Steigende Förderkosten bremsen First Majestic offenbar nicht.

Gold-Silber-Ratio und Lagerbestände

Das Gold-Silber-Ratio kletterte am Freitag auf rund 70,5. Silber verlor damit stärker als Gold. Werte über 70 gelten für viele Marktbeobachter als Signal für eine Unterbewertung von Silber.

Die physische Lage an der COMEX bleibt angespannt. Die registrierten Silberbestände verharren bei rund 96,2 Millionen Unzen. Der Gesamtbestand in den Lagerhäusern liegt bei 330,9 Millionen Unzen.

Die knappe Verfügbarkeit in der Kategorie „Registered“ könnte den Preis bei Nachfragespitzen stützen.

Fed-Spaltung belastet den Preis

Die Federal Reserve beließ die Leitzinsen zuletzt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Das Abstimmungsergebnis fiel jedoch knapp aus: 9 zu 3 Stimmen. Drei Mitglieder forderten eine sofortige Zinserhöhung.

Der Markt wertet dies als „Hawkish Hold“. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September wird auf 63 bis 70 Prozent taxiert.

Steigende Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten für Silber-Investoren. Das Edelmetall wirft schließlich keine Zinsen ab. Ein stärkerer Dollar verteuert Silber zusätzlich für Käufer außerhalb der USA.

Industrielle Nachfrage bleibt stabil

Das Jahr 2026 dürfte mit dem sechsten Angebotsdefizit in Folge enden. Der World Silver Survey erwartet eine Lücke von 46,3 Millionen Unzen.

Die Solarindustrie reduziert den Silberanteil pro Modul durch technisches „Thrifting“. Neue Wachstumsfelder gleichen diesen Effekt jedoch aus. KI-Rechenzentren und Elektrofahrzeuge treiben die Nachfrage an.

Ein durchschnittliches Elektrofahrzeug benötigt zwischen 25 und 50 Gramm Silber. Diese Basisnachfrage bleibt stabil, unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen.

Die Zinsentscheidung der Fed im September dürfte den nächsten Kursimpuls für Silber liefern. Bis dahin ringen kurzfristiger Zinsdruck und langfristiges Angebotsdefizit um die Oberhand.