Silber hat zum Wochenschluss einen harten Dämpfer kassiert. Auslöser war kein Branchenschock, sondern ein makroökonomisches Signal: Der US-Arbeitsmarkt läuft stärker als erwartet. Genau das macht Zinssenkungen unwahrscheinlicher und setzt zinslose Anlagen wie Silber unter Druck.
Am Freitag schloss Silber bei 67,96 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 8,32 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 10,37 Prozent. Der Markt preist damit nicht nur schwächere Stimmung ein, sondern eine veränderte Erwartung an die US-Notenbank.
Zinserwartungen drehen gegen Silber
Der US-Arbeitsmarktbericht für Mai fiel robuster aus als gedacht. Die US-Wirtschaft schuf 172.000 neue Stellen, die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3 Prozent. Für die Federal Reserve nimmt damit der Druck ab, die Geldpolitik rasch zu lockern.
Der Leitzins liegt derzeit in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Kern-PCE-Inflation bewegt sich bei rund 2,7 Prozent. Beides spricht dafür, dass die Fed vorsichtig bleibt, statt den Markt mit schnellen Zinssenkungen zu stützen.
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Für Silber ist das heikel. Steigende oder stabile Zinsen erhöhen die Attraktivität festverzinslicher Anlagen. Edelmetalle liefern keine laufenden Erträge, weshalb sie in solchen Phasen oft stärker auf Renditebewegungen reagieren.
Nächster Test: US-Inflation und Fed
Die nächste Handelswoche bringt neue Impulse aus den USA. Im Mittelpunkt stehen die Verbraucherpreise für Mai sowie weitere Inflationsdaten. Sie dürften maßgeblich beeinflussen, ob die jüngste Zinsangst am Markt bestätigt oder wieder abgeschwächt wird.
Dazu kommt die Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed am 16. und 17. Juni. Fallen die Daten hartnäckig aus, dürfte Silber weiter unter Druck bleiben. Sinkende Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen könnten dagegen kurzfristig Entlastung bringen.
Technisch ist der Markt angeschlagen. Der Kurs liegt auf Monatssicht 12,09 Prozent tiefer und seit Jahresanfang 5,96 Prozent im Minus. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt 11,01 Prozent.
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Fundament bleibt angespannt
Der kurzfristige Preisdruck ändert wenig daran, dass der Silbermarkt strukturell eng bleibt. Seit mehreren Jahren übersteigt die Nachfrage das verfügbare Angebot aus Minenproduktion und Recycling. Das stützt den langfristigen Rahmen.
Vor allem Photovoltaik, Elektronik und Elektromobilität bleiben wichtige Nachfragetreiber. Allerdings zeigt der starke Preisanstieg der vergangenen Monate auch Nebenwirkungen. Einige Solarhersteller prüfen Alternativen wie Kupfer, um ihre Abhängigkeit von Silber zu senken.
Charttechnisch rückt nun die Zone um 67,30 bis 67,57 US-Dollar in den Blick. Dort sehen Marktteilnehmer eine wichtige Unterstützung, während auch die steigende 200-Tage-Linie als Puffer gilt. Hält dieser Bereich nicht, könnten die Marken um 65 US-Dollar und später 60 US-Dollar relevant werden.
Der RSI liegt bei 35,3 und signalisiert damit eine angespannte, aber noch nicht extrem überverkaufte Lage. Die annualisierte Volatilität über 30 Tage beträgt 58,94 Prozent. Silber bleibt damit ein Markt, in dem Makrodaten kurzfristig mehr Gewicht haben als die langfristig knappe Angebotslage.
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