Eigentlich hätten die US-Inflationsdaten am Freitag für Entlastung sorgen sollen. Stattdessen brach der Silberpreis deutlich ein. Der Grund liegt nicht in schwachen Fundamentaldaten, sondern in der Geldpolitik der US-Notenbank.

Silber schloss den Handel bei 57,77 US-Dollar je Feinunze. Das bedeutet ein Tagesminus von 2,51 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Rückgang von 18,58 Prozent zu Buche.

Schwache Inflation, starker Kursverlust

Am Freitag veröffentlichte die US-Statistikbehörde den Kern-PCE-Preisindex für Juni. Er gilt als bevorzugtes Inflationsmaß der Fed. Die Kernrate stieg im Monatsvergleich nur um 0,1 Prozent. Erwartet hatten Ökonomen 0,2 Prozent.

Auf Jahressicht sank die Kernrate von 3,4 auf 3,3 Prozent. Normalerweise entlastet eine abkühlende Inflation zinslose Anlagen wie Silber. Diesmal blieb die erhoffte Reaktion aus.

Der Grund: Die Fed hatte den Leitzins am Mittwoch zwar unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Analysten werten die Entscheidung dennoch als „Hawkish Hold“. Der Offenmarktausschuss stimmte nicht einstimmig ab. Mehrere Mitglieder plädierten laut Berichten für eine weitere Straffung der Geldpolitik.

Diese Aussicht auf länger hohe Zinsen erhöht die Opportunitätskosten für Silber-Investments. Das Gold-Silber-Verhältnis kletterte auf 69,84 – ein Zeichen für die relative Schwäche des Industriemetalls gegenüber Gold.

Ein Defizit, das die Zinssorgen überdauert

Die kurzfristige Schwäche verdeckt ein strukturelles Problem am physischen Markt. Branchenberichte erwarten für 2026 bereits das sechste Defizitjahr in Folge. Das Angebotsloch soll sich auf rund 46,3 Millionen Unzen belaufen.

Die Minenproduktion in Mexiko und Peru kommt kaum hinterher. Zwei Trends prägen dabei die Nachfrageseite gegensätzlich:

  • Elektromobilität und KI: Jedes Elektrofahrzeug benötigt zwischen 25 und 50 Gramm Silber. Zusätzlich treibt der Ausbau von KI-Rechenzentren den industriellen Bedarf.
  • Solarindustrie: Hier läuft die Entwicklung gegenläufig. Erste Hersteller setzen auf „Entsilberung“ und ersetzen das Edelmetall teilweise durch Kupfer.

Geopolitik sorgt für zusätzliche Nervosität

Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Ölpreise nach oben. Das schürt wiederum Inflationssorgen und stärkt die Erwartung einer strafferen Geldpolitik. Von seinem Ruf als sicherer Hafen profitiert Silber dabei nur bedingt.

Der RSI liegt aktuell bei 43,8 – trotz des Ausverkaufs noch kein überverkauftes Niveau. Der Markt hat also technisch noch Spielraum nach unten.

In den kommenden Tagen richtet sich der Blick auf Signale für die Fed-Sitzung im September. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung taxierten Marktteilnehmer zuletzt auf 67 Prozent. Charttechnisch bleiben die Marke um 57,00 US-Dollar als Unterstützung und die 60,00-Dollar-Grenze als Widerstand entscheidend.

Die COMEX-Lagerbestände verharren derweil bei rund 330,9 Millionen Unzen – ein historisch niedriges Niveau. Fällt die Unterstützung bei 57,00 US-Dollar, dürfte der Verkaufsdruck weiter zunehmen. Hält sie, bleibt das strukturelle Defizit der Gegenpol zur restriktiven Fed-Politik.