Der Silberpreis startet schwach in die neue Woche. Am Montag notiert das Edelmetall zwischen 57,82 und 58,90 US-Dollar — fest unterhalb der 60-Dollar-Marke, die psychologisch als wichtige Schwelle gilt. Gleich mehrere Faktoren drücken gleichzeitig auf den Kurs.

Fed-Erwartungen belasten, Jobdaten kommen früher

Der wichtigste Belastungsfaktor bleibt die US-Geldpolitik. Märkte preisen eine Zinserhöhung im September 2026 mit rund 60 Prozent ein. Fed-Vertreter signalisieren einen hawkishen Kurs, weil die Inflation weiterhin über dem Zwei-Prozent-Ziel liegt.

Hinzu kommt der Kalender. Die US-Arbeitsmarktdaten (Non-Farm Payrolls) erscheinen in dieser Woche bereits am Donnerstag — einen Tag früher als üblich, wegen des Feiertagskalenders. Ein starker Jobmarkt würde der Fed weiteren Spielraum geben. Der Dollar-Index notiert nahe seinem Einjahreshoch. Das belastet unverzinste Rohstoffe wie Silber direkt.

Zwei Kräfte, die sich nicht aufheben

Die Nachfrageseite liefert ein gespaltenes Bild. Der Solarsektor schwächelt: Chinesische Hersteller ersetzen Silber zunehmend durch Kupfer. Für 2026 schätzen Analysten einen Nachfragerückgang von 19 Prozent in diesem Segment.

Gegenläufig wächst der Bedarf aus der KI-Infrastruktur. Der Ausbau von Rechenzentren treibt die Silbernachfrage jährlich um rund 25 Prozent. Das Silver Institute prognostiziert für 2026 trotzdem ein globales Angebotsdefizit von 46 Millionen Unzen. Es wäre das sechste Defizitjahr in Folge.

Kein Wunder, dass Anleger hin- und hergerissen wirken.

Geopolitik und Technik geben wenig Rückenwind

Die Lage im Nahen Osten hat sich etwas entspannt. Die USA und der Iran einigten sich auf einen Stopp der Feindseligkeiten. Für Dienstag sind Friedensgespräche in Doha geplant. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus läuft wieder weitgehend normal. Das senkt die Risikoprämien — und damit einen wichtigen Stützfaktor für Edelmetalle.

Technisch zeigt der RSI Werte zwischen 30,8 und 34. Das deutet auf eine überverkaufte Zone hin. Allerdings notiert Silber unter den gleitenden Durchschnitten der letzten 50, 100 und 200 Tage. Das übergeordnete Momentum bleibt negativ.

Erste Unterstützung liegt bei 56,50 Dollar, darunter bei 54,40 Dollar. Auf der Oberseite fungiert 60,50 Dollar als erster Widerstand — darüber folgt eine breite Zone zwischen 65 und 70 Dollar. Das Gold-Silber-Verhältnis steht aktuell bei 64. Ob die Non-Farm-Payrolls am Donnerstag die nächste Richtungsentscheidung erzwingen, hängt davon ab, wie deutlich der US-Arbeitsmarkt die Fed-Erwartungen bestätigt oder bricht.