Die physischen Lager leeren sich rapide. Industrielle Abnehmer reißen sich um das Edelmetall für Solarzellen und KI-Chips. Am Terminmarkt dominiert am Dienstag jedoch eine völlig andere Realität. Silber rutscht ab und testet kritische Marken.

Aktuell kostet eine Feinunze rund 76 US-Dollar. Das entspricht einem Tagesverlust von knapp zwei Prozent. Auslöser für den Abgabedruck sind wachsende Zinssorgen. Ein Energieschock im Nahen Osten schürt erneute Inflationsängste, worauf US-Notenbanker mit restriktiven Tönen reagieren. Die Folge: Höhere Anleiherenditen und ein starker Dollar belasten den zinslosen Rohstoff schwer.

Leere Lager treffen auf KI-Boom

Abseits der Börsenspekulation bleibt die fundamentale Lage extrem angespannt. Das Silver Institute erwartet für das laufende Jahr ein erneutes Angebotsdefizit. Es wäre das sechste in Folge. Der Fehlbetrag soll bei über 46 Millionen Unzen liegen. Die oberirdischen Reserven schrumpfen seit Jahren massiv.

Das Angebot aus den Minen stagniert. Parallel dazu wächst der industrielle Hunger nach dem leitfähigen Metall stetig. Diese Sektoren treiben die Nachfrage aktuell:

  • Photovoltaik: Hocheffiziente Solarzellen benötigen große Mengen Silber.
  • KI-Infrastruktur: Neue Rechenzentren erfordern hochleitfähige Bauteile.
  • Elektromobilität: Die steigende Fahrzeugproduktion federt Schwächen anderer Branchen ab.

Starke Importe aus China stützen den Markt zusätzlich. Zeitweise nutzten Händler sogar Preisunterschiede zwischen den Börsen in Shanghai und New York für lukrative Arbitrage-Geschäfte.

Blick auf die Charttechnik

Technisch steht das Edelmetall an einer Weggabelung. Silber testet aktuell eine wichtige Unterstützungszone knapp unter 77 US-Dollar. Bricht diese Marke nachhaltig, drohen weitere Verkäufe in Richtung der 70-Dollar-Schwelle. Auf der Oberseite blockiert ein Widerstand bei rund 80 US-Dollar schnelle Erholungsversuche.

Die Fallhöhe ist durchaus beachtlich. Im Januar markierte der Preis noch ein Rekordhoch von über 121 US-Dollar. Trotz der laufenden Korrektur bleibt die übergeordnete Tendenz bisher intakt. Auf Jahressicht verteidigt Silber weiterhin ein massives Plus von über 130 Prozent.