Silber fällt seit Monaten, doch der Markt bleibt knapp. Diese Lücke zwischen Preis und Realität wächst weiter. Am Montag startete der Silberpreis mit einem Plus von 1,2 Prozent bei rund 58,31 US-Dollar je Feinunze in den Handel. Neue Branchenzahlen zeigen: Das globale Angebotsdefizit bleibt historisch hoch.
Sechstes Jahr in Folge mit Angebotslücke
Das Silver Institute und Metals Focus beziffern das Defizit für 2026 auf 46,3 Millionen Unzen. Frühere Prognosen gingen noch von 67 Millionen Unzen aus. Die Zahl fällt also niedriger aus als erwartet.
Trotzdem bleibt der Trend eindeutig: 2026 markiert das sechste Jahr in Folge mit einem globalen Angebotsdefizit. Im Vergleich zum Vorjahr wächst die Lücke sogar um 15 Prozent.
Diese anhaltende Knappheit stützt den Silberpreis fundamental. Der Kurs kämpft aktuell mit einem Rückgang von über 50 Prozent gegenüber dem Rekordhoch vom Januar 2026. Damals erreichte Silber 121,62 US-Dollar je Feinunze.
Warum das Angebot kaum wächst
Rund 74 Prozent des weltweiten Silbers fällt als Nebenprodukt an. Bergbaukonzerne fördern es beim Abbau von Kupfer, Blei, Zink und Gold. Diese Fördermengen hängen vor allem von den Preisen dieser Basismetalle ab.
Deshalb kann die Silberproduktion kaum auf steigende Nachfrage reagieren. Selbst ein höherer Silberpreis lockt kaum zusätzliche Mengen auf den Markt.
Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Solarindustrie senkt ihren Silberverbrauch durch neue Technologien und den teilweisen Wechsel zu Kupfer. Der wachsende Bedarf aus Künstlicher Intelligenz und Elektromobilität gleicht diese Verluste teilweise aus. Die industrielle Fertigung macht derzeit 57 bis 59 Prozent der gesamten Nachfrage aus.
Makroumfeld und Charttechnik
Die Preisstabilität über 58 US-Dollar hat auch makroökonomische Gründe. Die Inflationserwartungen sind zuletzt leicht gesunken. Neue diplomatische Signale aus dem Nahen Osten drückten die Ölpreise nach unten.
Das nimmt Druck von der US-Notenbank Fed für weitere Zinserhöhungen. Ein schwächerer Dollar stützt zusätzlich das zinslose Edelmetall.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Ende Juli bildete sich ein „Death Cross“: Der 50-Tage-Durchschnitt fiel unter den 200-Tage-Durchschnitt. Analysten sehen eine wichtige Unterstützung zwischen 56 und 57 US-Dollar.
Ein Ausbruch über die Marke von 62 US-Dollar gilt als Voraussetzung für eine Erholung. Erst dann könnte Silber wieder Richtung 70 US-Dollar steigen.
Spekulative Anleger haben ihre Positionen nach der Korrektur reduziert. Industrielle Abnehmer greifen dagegen weiter auf schwindende Lagerbestände zu. Das kumulierte Defizit der vergangenen Jahre hat diese Vorräte spürbar ausgedünnt.
Damit bleibt der Silberpreis anfällig für plötzliche Nachfrageschübe von Investoren. Steigt das Interesse an physischem Silber wieder, dürfte die dünne Lagerbasis rasche Kursbewegungen begünstigen.
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