Silber verliert in dieser Woche über sieben Prozent. Am 16. Juli 2026 fällt der Preis auf 55,47 US-Dollar pro Feinunze, ein Tagesminus von 3,93 Prozent. Das Metall markiert damit ein neues Sechsmonatstief. In Euro notierte Silber am gleichen Tag bei 49,30 Euro, ebenfalls ein Halbjahrestief. Am 17. Juli lag der Kurs bei 48,42 Euro, ein weiteres Minus von 0,83 Prozent.

Geopolitik und Zinssorgen drücken den Kurs

Zwei Faktoren belasten den Silberpreis parallel. Im Nahen Osten eskaliert die Lage: Der US-Iran-Konflikt und Gefechte zwischen Israel und der Hisbollah treiben die Ölpreise nach oben. Das schürt Inflationsängste und Zinssorgen an den Märkten.

Zeitgleich sorgen US-Inflationsdaten für Verwirrung. Sie fielen diese Woche schwächer aus als erwartet und machen eine Zinserhöhung im Juli unwahrscheinlich. Für September bleiben die Märkte jedoch uneins. Diese Unsicherheit trifft Silber besonders hart: Steigen die Realzinsen, verlieren zinslose Anlagen wie Edelmetalle an Attraktivität im Vergleich zu Zinsprodukten.

Das Angebotsdefizit bleibt bestehen

Trotz der aktuellen Talfahrt bleibt die strukturelle Lage am Silbermarkt angespannt. Analysten erwarten für dieses Jahr das sechste Angebotsdefizit in Folge. Die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot soll bei 46,3 Millionen Unzen liegen.

Ein Grund dafür: Rund die Hälfte der weltweiten Silbernachfrage stammt aus der Industrie. Die Photovoltaik-Branche und die Elektronikindustrie treiben den Bedarf an. Silber leitet Strom hervorragend und steckt deshalb in Solarzellen, Smartphones und Laptops. China baut seine Solarkapazitäten mit staatlichen Subventionen weiter aus, das stützt die Nachfrage zusätzlich. Auch die Automobilindustrie braucht mehr Silber für Bordelektronik und Batterien in Elektrofahrzeugen.

Silber findet außerdem Verwendung in der Medizintechnik sowie in Schmuck und Besteck. Diese Vielfalt macht das Metall zu einem Doppelgänger: Wertspeicher und Industrierohstoff zugleich.

Volatiler als Gold, aber mit langfristigem Potenzial

Genau diese Doppelrolle erklärt die höhere Schwankungsbreite von Silber gegenüber Gold. Gold gilt in Krisenzeiten als reiner Wertspeicher. Silber reagiert dagegen stärker auf konjunkturelle Schwankungen, weil die Industrienachfrage einen so großen Anteil ausmacht.

Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf zwei Fragen: Wie entwickelt sich der Nahost-Konflikt, und wie entscheidet die US-Notenbank im September? Beide Faktoren dürften die kurzfristige Richtung des Silberpreises bestimmen.

Langfristig sehen Analysten dennoch Aufwärtspotenzial. Der Konsens der LBMA-Analysten für 2026 liegt bei 79,57 US-Dollar pro Unze. JPMorgan geht in seinem Basisszenario sogar von 81 US-Dollar aus. Beide Werte liegen deutlich über dem aktuellen Kurs von 55,47 US-Dollar.