Vom Allzeithoch bei 121,78 Dollar im Januar bis auf knapp 58 Dollar heute — Silber hat in wenigen Monaten mehr als die Hälfte seines Wertes verloren. Auf Wochensicht steht ein Minus von fast zehn Prozent. Der RSI liegt bei 29,7 und signalisiert überverkaufte Bedingungen, ohne dass sich eine Trendwende abzeichnet.

Fed-Kurs drückt auf Stimmung

Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh hat klargemacht: keine vorzeitigen Zinssenkungen. Er bekräftigte den Fokus der Notenbank auf Inflationsbekämpfung — und zerstreute damit Hoffnungen, er könnte dem politischen Druck aus Washington nachgeben.

Die Märkte preisen aktuell eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember ein. Für September liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund 63 Prozent. Höhere Zinsen bedeuten stärkeren Dollar und steigende Anleiherenditen — beides belastet Silber als zinsloses Asset direkt.

Der Juni-Dot-Plot der Fed zeichnet ein hawkisches Bild. Von 18 Teilnehmern erwarten neun mindestens eine weitere Erhöhung, sechs davon sogar mehrere. Der Median-Leitzins zum Jahresende liegt bei 3,8 Prozent. Die Fed hob ihre PCE-Inflationsprognose für 2026 von 2,7 auf 3,6 Prozent an — und strich frühere Formulierungen, die eine Lockerung andeuteten.

Industrie kauft, Märkte verkaufen

Das Fundamentalbild bleibt widersprüchlich. Rund 50 Prozent der globalen Silbernachfrage entfallen auf industrielle Anwendungen — Solarmodule, Elektronik, Medizintechnik. Dieses Silber verschwindet dauerhaft vom Markt.

Kein Wunder also, dass die COMEX-Lagerbestände mit rund 322,8 Millionen Unzen insgesamt stabil wirken. Das registrierte, sofort lieferfähige Silber lag zuletzt bei rund 82 Millionen Unzen. Die physische Knappheit bremst den Preisverfall allerdings nicht — der monetäre Gegenwind ist schlicht stärker.

Seit Jahresbeginn hat Silber knapp 20 Prozent verloren. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 73,86 Dollar — mehr als 21 Prozent über dem aktuellen Kurs von 57,86 Dollar.

Was die neue Woche bringt

Technisch markieren 61,02 und 54,46 Dollar die nächsten Unterstützungszonen. Widerstand liegt bei 71,80 und 83,75 Dollar — weit entfernt vom aktuellen Niveau.

Am 30. Juli veröffentlicht die US-Regierung die PCE-Daten für Juni. Sie liefern den nächsten wichtigen Hinweis auf den Zinskurs der Fed. Die FOMC-Sitzung folgt am 28. und 29. Juli — ohne neue Wirtschaftsprojektionen, aber mit dem Potenzial, die Markterwartungen für Dezember weiter zu verschieben. Silber bleibt bis dahin im Griff der Zinspolitik.