Der physische Handel in Asien signalisiert eine verhaltene Nachfrage nach Silber. Nach Angaben des Shanghai Metals Market wurden Silberbarren in Hongkong in dieser Woche mit einem Abschlag von bis zu 0,15 US-Dollar je Unze gegenüber dem Referenzpreis der London Bullion Market Association gehandelt. Auch die Verarbeitungsexporte spiegelten diesen Preisdruck wider, während reguläre Importe im allgemeinen Handel lediglich nahe der Parität lagen.
Die schwächere Zahlungsbereitschaft an den asiatischen Umschlagplätzen verdeutlicht, dass verarbeitende Betriebe vorerst ausreichend eingedeckt sind. Für Marktteilnehmer ist dieser Abschlag ein klares Anzeichen dafür, dass von der fernöstlichen Barrennachfrage gegenwärtig kaum preisstützende Impulse ausgehen.
An den Terminmärkten spiegelte sich die zurückhaltende Stimmung zum Wochenausklang wider. Am Freitag ging der Silberpreis mit 57,13 US-Dollar je Feinunze aus dem Handel, was einem leichten Tagesverlust von 0,8 Prozent entsprach. Auf Sicht von 30 Tagen verzeichnet das Edelmetall damit ein Minus von 9,9 Prozent.
Lagerbestände in London legen zu
Auf der europäischen Angebotsseite zeigen sich unterdessen Veränderungen im physischen Bestand. Die London Bullion Market Association verzeichnete für Ende September einen Anstieg der Silberbestände in ihren Tresoren um 1,95 Prozent auf 28.985 Tonnen.
Der Zuwachs bei den gelagerten Barren unterstreicht eine entspannte Verfügbarkeit im europäischen Handelszentrum. Solange die Vorräte zulegen, fehlt dem Markt ein wesentlicher Treiber für spekulative Verknappungsängste.
Auf der Förderseite kam es im abgelaufenen Jahresviertel dennoch zu vereinzelten Bremsspuren. Das Bergbauunternehmen Endeavour Silver meldete für das dritte Quartal eine Silberproduktion von 2.096.545 Unzen. Betriebliche Unterbrechungen dämpften den Ausstoß: Am Standort Terronera ruhten die Arbeiten im August für knapp zwei Wochen, während an der Mine Guanaceví Reparaturen an der Mühle den Durchsatz verringerten.
Zinspolitik der Federal Reserve im Fokus
Neben den physischen Warenströmen bestimmen weiterhin die makroökonomischen Rahmenbedingungen in den Vereinigten Staaten das Marktgeschehen. Die US-Inflationsdaten für September hatten mit einer Teuerungsrate von 3,7 Prozent die Markterwartungen leicht übertroffen. Dies verstärkte Spekulationen über den Zinskurs der US-Notenbank, was unverzinsten Rohstoffen wie Silber Gegenwind verschafft.
Federal-Reserve-Vorsitzender Kevin Warsh vermied es, geldpolitische Beschlüsse für die anstehenden Beratungen im Oktober und Dezember vorwegzunehmen. Zugleich gab der US-Dollar nach seinem vorherigen Zwischenhoch etwas nach, was den Verkaufsdruck an den Edelmetallmärkten temporär stabilisierte.
Wegweisende Impulse erwarten Anleger von der nächsten Zusammenkunft der US-Notenbank. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve tagt am 27. und 28. Oktober, wobei das Ergebnis des Zinsentscheids maßgeblich bestimmen dürfte, ob das Edelmetall seine jüngste Konsolidierung fortsetzt.
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