Der Ausverkauf bei Technologie- und KI-Aktien hat am Freitag auch Silber belastet. Laut Reuters verkauften Anleger Edelmetalle, um Verluste aus dem Aktiengeschäft zu decken. Gleichzeitig verstärkten steigende Ölpreise die Sorge vor anhaltender Inflation und länger hohen US-Zinsen. Damit trafen am Silbermarkt Verkäufe zur Verlustdeckung auf ungünstigere Zinserwartungen.

Aktienverluste greifen auf Edelmetalle über

Für Anleger ist vor allem das Zusammenspiel dieser Belastungen wichtig. Reuters beschrieb am Freitag nicht nur einen Zusammenhang zwischen Ölpreisen und Zinserwartungen. Die Nachrichtenagentur nannte auch Verkäufe von Edelmetallen zur Deckung von Verlusten bei Technologie- und KI-Aktien als zusätzlichen Druckfaktor.

Silber stand damit nicht ausschließlich wegen Nachrichten aus dem eigenen Markt unter Verkaufsdruck. Auch die Entwicklung anderer Anlageklassen spielte eine Rolle. Eine Betrachtung allein von Angebot und Nachfrage nach dem Metall würde diesen Teil der jüngsten Bewegung ausblenden.

Der COMEX-Front-Month schloss am Freitag bei 53,96 USD je Feinunze. Das Kursniveau spiegelt die Belastung durch beide von Reuters genannten Faktoren wider; ihr jeweiliger Anteil an der Bewegung lässt sich daraus nicht bestimmen.

Inflationsdaten verschärfen die Zinsfrage

Bereits am Donnerstag hatte Reuters steigende Ölpreise mit Sorgen über mögliche Versorgungsstörungen nach Angriffen auf Saudi-Arabien verknüpft. Diese Entwicklung verstärkte Inflationsängste und Erwartungen, dass die US-Zinsen länger hoch bleiben könnten.

Nach Angaben des U.S. Bureau of Labor Statistics stieg der Index für die Endnachfrage in den zwölf Monaten bis September 2026 um 6,3 Prozent. Es war der stärkste Zwölfmonatsanstieg seit Dezember 2022.

Medienberichten zufolge erhöhten die Inflationsdaten über veränderte Zinserwartungen den Druck auf Edelmetalle. Für Silber ergibt sich daraus eine doppelte Belastung: Der Ölpreisanstieg nährt Inflationssorgen, während die Verkäufe zur Verlustdeckung einen zusätzlichen Verkaufsanlass liefern.

Physische Nachfrage bietet wenig Gegengewicht

Auch aus Indien kamen am Donnerstag keine eindeutigen Entlastungssignale. Reuters berichtete über schwache Nachfrage bei Händlern, obwohl die Regierung zur Versorgung vor der Festtagssaison Silberimporte genehmigt hatte.

Die Genehmigung umfasst rund 6.500 Tonnen für sechs Monate. Gleichzeitig sanken die lokalen Prämien auf 45 US-Cent je Unze.

Die Importfreigabe ist deshalb nicht mit bereits kräftigen Käufen gleichzusetzen. Die von Reuters geschilderte Nachfrageschwäche begrenzt ihre Aussagekraft als positives Signal für den Silberpreis.

Als nächster geldpolitischer Termin folgt die Sitzung des Offenmarktausschusses am 27. und 28. Oktober. Medienberichten zufolge zählt der Zinsentscheid zu den kurzfristigen Treibern für Silber. Im Mittelpunkt steht damit die Frage, ob sich die Erwartungen länger hoher Zinsen verändern.