Der freie Fall beim Silberpreis legt eine Pause ein. Nach einem drastischen Wertverlust im Juni atmen Rohstoffmärkte auf. Frische US-Inflationsdaten nehmen den Druck vom Kessel. Die Talfahrt stoppt vorerst knapp unter der Marke von 59 US-Dollar.

US-Daten bremsen den Dollar

Aktuell stehen die persönlichen Konsumausgaben der US-Amerikaner im Fokus. Dieser Preisindex stieg im Mai um 4,1 Prozent. Die Kernrate kletterte auf 3,4 Prozent. Das entspricht exakt den Erwartungen der Analysten.

Obwohl die Kerninflation ein Dreijahreshoch markiert, reagierten Investoren erleichtert. Der US-Dollar fiel von seinem jüngsten Hoch bei gut 101 Punkten zurück. Parallel dazu sanken die Renditen der US-Staatsanleihen. Das stützte den zinslosen Silberpreis massiv.

Geopolitik drückt den Preis

Trotz der Erholung bleibt das Umfeld schwierig. Zu Jahresbeginn trieb die Flucht in sichere Häfen das Edelmetall noch auf über 121 US-Dollar. Seitdem verlor Silber fast die Hälfte seines Wertes. Allein im Juni summierten sich die Verluste auf mehr als 20 Prozent.

Ein Hauptgrund ist die gesunkene Risikoprämie. Mitte Juni schlossen die USA und der Iran das sogenannte Islamabad-Memorandum. Dieses vorläufige Abkommen sichert die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Die Folge: Anleger meiden den sicheren Hafen Silber.

Defizit trifft auf schwache Industrie

Auch die fundamentale Lage liefert widersprüchliche Signale. Das Silver Institute rechnet für 2026 mit einem globalen Marktdefizit. Es wäre das sechste Jahr in Folge mit einem Angebotsengpass. Die Lücke soll rund 67 Millionen Unzen betragen.

Dem steht eine schwächelnde Nachfrage der Industrie gegenüber. Experten erwarten für das laufende Jahr einen Rückgang der Verarbeitung auf 650 Millionen Unzen. Erschwerend wirken die strengen Töne des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. Er schließt weitere Zinserhöhungen bis Jahresende nicht aus.

Technische Marken im Blick

Technisch hat sich der Silberpreis über der Unterstützung bei 56,50 US-Dollar stabilisiert. Fällt diese Marke, droht ein Rücksetzer auf 55,61 US-Dollar. Nach oben versperrt der Widerstand bei 60,48 US-Dollar den Weg.

Die Geldmärkte preisen weiterhin eine Zinserhöhung im September ein. Die aktuellen Inflationsdaten senkten diese Wahrscheinlichkeit lediglich auf 63 Prozent. Silber zeigt gegenüber Gold deshalb weiterhin deutliche Schwäche.