Am physischen Silbermarkt mehren sich die Anzeichen für eine grundlegende Verschiebung der Angebots- und Nachfragestruktur. Während das weiße Edelmetall am Donnerstag mit einem Minus von 1,0 Prozent bei 59,43 US-Dollar je Feinunze aus dem Handel ging, richten Marktbeobachter den Blick zunehmend auf die stark anschwellenden Bestände in den globalen Umschlagplätzen sowie eine nachlassende industrielle Verwendung.
Wachsender Puffer in den Tresoren
Daniel Ghali, Analyst bei der Deutschen Bank, wies am Mittwoch darauf hin, dass der Silbermarkt bereits im Jahr 2027 in einen Angebotsüberschuss übergehen könnte. Als wesentlichen Treiber für diese Entwicklung nannte die Bank die Entwicklung in den Londoner Tresoren.
Dort lagerten Ende August mehr als 914 Millionen Unzen Silber, wovon über 300 Millionen Unzen als frei verfügbar galten. Seit Oktober 2025 bedeutet dies einen Anstieg der frei verfügbaren Bestände um rund 70 Prozent.
Parallel dazu verzeichneten auch die Lager der Terminbörse CME sowie Lagerhäuser in Shanghai wachsende Reserven. Nach Einschätzung von Ghali könnten silberunterlegte Fonds bis Dezember 2027 schätzungsweise 40 Millionen Unzen abgeben, sollten sich die Verhaltensmuster früherer US-Zinszyklen wiederholen. Für das zweite Quartal 2027 stellte der Analyst dennoch einen durchschnittlichen Preis von 70 US-Dollar je Feinunze in Aussicht.
Nachfragerückgang im Industriesektor
Zusätzlicher Gegenwind zeichnet sich auf der Nachfrageseite ab. Eine Analyse von Metals Focus und dem Verband Silver Institute auf Basis des World Silver Survey beziffert den erwarteten Rückgang des Silberverbrauchs im Bereich der Elektro- und Elektronik-Anwendungen für das laufende Jahr 2026 auf 6 Prozent. Das Volumen schrumpft demnach von 449,5 Millionen Unzen im Vorjahr auf 422,9 Millionen Unzen.
Besonders deutlich fällt die Verlangsamung im Solarsektor aus. Der Verbrauch für Photovoltaik-Komponenten soll voraussichtlich von 186,6 Millionen Unzen im Jahr 2025 auf 151,0 Millionen Unzen zurückgehen.
Dieser Rückgang im Industriesegment bremst den Verbrauch spürbar, obgleich das Marktdefizit — ein Thema, das vor gut einer Woche, seither verlor der Kurs 2,1 Prozent, intensiv diskutiert wurde — das Gesamtbild noch prägt.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der World Silver Survey dennoch mit einem Defizit von 46,3 Millionen Unzen, da das Gesamtangebot um rund 2 Prozent sinken dürfte, während die Minenförderung stagniert. Die Kombination aus nachlassendem industriellem Bedarf und wachsenden physischen Lagerbeständen stellt die weitere Preisentwicklung jedoch vor neue Herausforderungen.
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