Silber hält sich Mittelbericht zufolge an einem Monatsgewinn von 17 Prozent fest, obwohl der Markt seit dem vergangenen Montag mit wachsenden Erwartungen an eine Zinserhöhung im September ringt. Der Schlusskurs lag am Montag bei 67,24 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,2 Prozent auf Tagessicht.
Trotz der jüngsten Zinssorgen zeigt sich das Edelmetall auf Monatssicht robust: Auf 30-Tage-Sicht steht ein Anstieg von 15 Prozent zu Buche, während der Kurs seit Jahresbeginn mit 4,8 Prozent im Minus notiert.
Der eigentliche Treiber hinter der Widerstandsfähigkeit des Preises liegt tiefer als im Tagesgeschehen der Notenbankpolitik. Der World Silver Survey 2026 des Silver Institute, erstellt von Metals Focus und im April veröffentlicht, bezifferte das globale Angebotsdefizit für 2025 auf 40,3 Millionen Unzen.
Für das laufende Jahr erwarteten die Analysten eine Ausweitung der Lücke auf 46,3 Millionen Unzen. Damit würde sich die Serie von Jahren, in denen die Welt mehr Silber verbraucht als produziert, auf sechs in Folge verlängern.
Nachfrage schwächelt, Defizit bleibt
Auffällig ist, dass das Defizit trotz rückläufiger Nachfrage in wichtigen Segmenten bestehen bleibt. Die industrielle Nachfrage nach Silber sank 2025 laut dem Silver Institute um 3 Prozent auf 657,4 Millionen Unzen.
Noch deutlicher fiel der Rückgang bei der Schmuckfabrikation aus: Sie brach weltweit um 8 Prozent ein, in Indien sogar um 20 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass die strukturelle Angebotsknappheit nicht allein durch starke Nachfrage entsteht, sondern zunehmend auch durch begrenzte Fördermengen und Recyclingvolumen getragen wird.
Ein weiterer Faktor auf der Angebotsseite sind die chinesischen Exportbeschränkungen für Silber, die seit Januar in Kraft sind und den internationalen Warenfluss zusätzlich einschränken.
Zugleich verzeichneten Silber-ETFs wie der iShares Silver Trust im ersten Halbjahr deutliche Mittelabflüsse: Die Lagermenge des Fonds schrumpfte seit Jahresbeginn um rund 1.408 Tonnen beziehungsweise 8,56 Prozent, Anleger zogen netto 324 Millionen US-Dollar ab. Diese Abflüsse relativieren die These, dass allein spekulative Anlegernachfrage den Preis treibt.
Abstand zum Allzeithoch bleibt groß
Der aktuelle Kurs liegt weiterhin deutlich unter dem im Januar erreichten Allzeithoch von 121,78 US-Dollar, der Abstand beträgt 45 Prozent. Gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 40,55 US-Dollar, das Anfang September vergangenen Jahres markiert wurde, notiert Silber dagegen 66 Prozent höher. Diese Spanne verdeutlicht, wie volatil das Jahr für das Edelmetall verlaufen ist – von einem historischen Hoch im Januar bis zu spürbaren Korrekturen im Sommer.
J.P. Morgan Global Research hatte seine Preisprognose für den Jahresdurchschnitt im August von zuvor 84 US-Dollar je Feinunze auf 70 US-Dollar gesenkt. Die Revision datiert vom 26. August und markiert eine deutliche Abkühlung gegenüber den optimistischeren Einschätzungen vom Frühjahr.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Kurzfristig belasten Zinserwartungen den Preis, während strukturelle Angebotsdefizite und geopolitische Exportbeschränkungen mittelfristig für Unterstützung sorgen könnten.
Das US-Schatzamt kündigte zudem Mitte des Monats an, Rückkäufe langfristiger Anleihen in den kommenden Monaten zu verdoppeln – eine Maßnahme, die die Liquiditätslage an den Anleihemärkten und damit indirekt auch die Attraktivität von Edelmetallen als Absicherung beeinflussen dürfte.
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