Silber steigt am Dienstag auf rund 66 US-Dollar pro Feinunze. Das ist der höchste Stand seit sieben Wochen. Der Preis zieht damit im Gleichlauf mit Gold weiter an.

Der Antrieb kommt aus mehreren Richtungen. Anleger kaufen Edelmetalle trotz steigender Inflationsrisiken und Zinserwartungen. Parallel dazu ziehen die Ölpreise an. Diese Mischung sorgt für breite Nachfrage nach Silber als Absicherung.

Der Blick richtet sich auf US-Inflationsdaten

Diese Woche steht ein wichtiger US-Inflationsbericht im Mittelpunkt. Investoren erwarten daraus neue Hinweise zum geldpolitischen Kurs der Federal Reserve. Die Daten dürften zeigen, wie sich die Zinserwartungen für die kommenden Monate entwickeln.

Das ist entscheidend für Silber. Steigen die Zinserwartungen, verlieren zinslose Anlagen wie Silber an Attraktivität gegenüber verzinsten Alternativen. Sinken sie, gewinnt das Edelmetall.

Bereits am Montag hatte Silber von schwachen US-Arbeitsmarktdaten profitiert. Der Preis notierte nahe 64 Dollar, nach einem Plus von mehr als 10 Prozent in der Vorwoche. Grund war ein unerwarteter Rückgang der US-Beschäftigung.

Die Zahlen vom Freitag zeigten Klartext: Die US-Wirtschaft baute im Juli überraschend 23.000 Stellen ab. Der Wert für Juni wurde zudem nach unten auf 20.000 revidiert. Analysten hatten mit einem Plus von 80.000 Stellen gerechnet. Die Märkte preisen nun nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 44 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein – eine Woche zuvor lag dieser Wert noch bei 67 Prozent.

Industrie kauft mit

Neben der Geldpolitik treibt die Industrie den Silberpreis. Solarmodule und Stromnetze brauchen das Metall in wachsenden Mengen. China importierte im Juni silberhaltige Erze im Volumen von 219.000 Tonnen – ein Plus von 62,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Diese doppelte Nachfragebasis unterscheidet Silber von Gold. Investoren kaufen es als Absicherung, Fabriken brauchen es als Rohstoff. Beide Kräfte wirken aktuell in dieselbe Richtung.

Geopolitik hält die Spannung hoch

Auch geopolitische Faktoren treiben den Markt. Die Ölpreise steigen wegen anhaltender Unsicherheit über die Straße von Hormus. Der Iran erklärt, Gespräche mit Oman stünden kurz vor einer Einigung. Direkte Verhandlungen mit den USA bestreitet Teheran jedoch – obwohl Washington ein baldiges Abkommen für möglich hält.

Diese Gemengelage aus Energierisiken und diplomatischen Signalen hält die Nervosität an den Rohstoffmärkten hoch.

Das Gold-Silber-Verhältnis sendet ein Signal

Ein weiterer Indikator liefert zusätzliche Einordnung: das Verhältnis von Gold zu Silber. Es zeigt, wie viele Unzen Silber eine Unze Gold wert ist. Am Montag lag der Wert bei 67,68, nach 68,32 am Freitag.

Ein sinkendes Verhältnis gilt vielen Marktteilnehmern als Zeichen relativer Stärke von Silber gegenüber Gold. Genau das passiert aktuell.

Die anstehenden US-Inflationsdaten werden zeigen, ob sich dieser Trend fortsetzt. Deutet der Bericht auf eine schwächere Konjunktur hin, dürfte das die Zinssenkungsfantasie weiter befeuern – und Silber zusätzlichen Rückenwind verleihen.