Frische Handelsdaten aus Asien liefern neue Einblicke in die weltweiten Materialströme am Edelmetallmarkt. Wie aus chinesischen Zolldaten hervorgeht, sanken die Exporte von 99,99-prozentigem, unverarbeitetem Silber im September auf 309,77 Tonnen. Gegenüber dem Vormonat entspricht dies einem Rückgang um 23,7 Prozent.
Gleichzeitig verzeichnete die Volksrepublik auf der Beschaffungsseite eine gegenläufige Entwicklung. Die Einfuhren des hochreinen Metalls kletterten im September um 73,5 Prozent auf 114,93 Tonnen. Zudem erreichten die Importe von Silbererz und entsprechenden Konzentraten ein Volumen von 268.639,57 Tonnen.
Westliche Lagerbestände legen moderat zu
Die veränderten Handelsströme treffen auf ein Umfeld, in dem die physischen Reserven in den großen Handelszentren wieder anwachsen. An der New Yorker COMEX wies der jüngste Lagerbericht einen Gesamtbestand von 334.872.333,209 Feinunzen aus. Davon entfielen 103.117.429,793 Unzen auf die direkt lieferbare Kategorie „registered“ und 231.754.903,416 Unzen auf die Kategorie „eligible“.
Auch in Europa zeigte sich zuletzt eine ähnliche Tendenz. Die London Bullion Market Association (LBMA) meldete für Ende September einen Bestand von 28.985 Tonnen Silber in den Londoner Tresoren. Dies bedeutete ein Plus von 1,95 Prozent im Monatsvergleich.
Diese Zunahme der gemeldeten Vorräte wird am Markt aufmerksam verfolgt. Vor gut einer Woche hatten zwar robuste US-Inflationsdaten die Renditen gestützt und die Edelmetallnotierungen spürbar belastet, doch mittelfristig rücken vor allem die fundamentalen Angebots- und Nachfragebilanzen wieder stärker in den Fokus institutioneller Beobachter.
Analysten blicken auf Angebotswende
Daniel Ghali, Leiter des Metals-Research der Deutschen Bank, prognostizierte am 14. Oktober für das zweite Quartal 2027 einen durchschnittlichen Silberpreis von 70 US-Dollar je Unze.
Zugleich hält Ghali einen Wechsel des globalen Silbermarktes von einem Defizit in einen Überschuss bereits im Jahr 2027 für möglich. Als wesentliche Treiber dieser Entwicklung nannte er wachsende Lagerbestände sowie eine abkühlende industrielle Nachfrage, insbesondere aus dem Solarsektor.
Auf der Förderseite legten Produzenten derweil ihre jüngsten Zwischenbilanzen vor. Guanajuato Silver wies für das dritte Quartal eine Ausbeute von 392.138 Unzen Silber aus. Der Konkurrent Endeavour Silver meldete für den gleichen Dreimonatszeitraum eine Produktion von 2.096.545 Unzen Silber.
An den Terminmärkten zeigte sich das Edelmetall zu Beginn der Handelswoche wenig verändert. Zum Handelsschluss am Montag notierte die Feinunze an der COMEX bei 57,23 USD. Damit beläuft sich das Minus auf Sicht von sieben Tagen auf 3,6 Prozent. Das aktuelle Kursniveau liegt jedoch weiterhin 26 Prozent über dem 52-Wochen-Tief.
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