Der Silberpreis zeigt sich am Mittwoch zerrissen zwischen zwei gegensätzlichen Kräften: schwächelnden US-Konjunkturdaten, die eigentlich für Entlastung sprechen sollten, und einer Fed, die trotzdem an einer Zinserhöhung festhält. Am Vormittag notierte das Edelmetall bei rund 64 Dollar je Feinunze, nachdem es zuletzt mit 64,66 Dollar geschlossen hatte – ein Kurs, der die Nervosität am Markt widerspiegelt.
Auslöser der jüngsten Bewegung sind neue Zahlen zum privaten US-Arbeitsmarkt. Der ADP-Beschäftigungsbericht für August wies lediglich 38.000 neu geschaffene Stellen aus, deutlich weniger als die von Ökonomen erwarteten 48.000. Die Julidaten wurden zwar auf 46.000 nach oben revidiert, dennoch markiert der August-Wert den schwächsten Zuwachs seit Januar.
Besonders das verarbeitende Gewerbe und der professionelle Dienstleistungssektor bauten Stellen ab, während Bildung, Gesundheit und Bau weiter Beschäftigung aufbauten.
Zinserhöhung trotz schwacher Jobdaten weiter im Fokus
Eigentlich nähren schwache Arbeitsmarktzahlen üblicherweise Zinssenkungsfantasien – diesmal jedoch überlagert eine hawkishe Fed-Rhetorik das Bild. Fed-Chef Kevin Warsh hatte in seiner Rede in Jackson Hole am vergangenen Montag eine mögliche Zinserhöhung im September signalisiert, was den Silberpreis seither um 3,8 Prozent hat einbrechen lassen.
Auch Fed-Gouverneur Michael Barr warnte davor, dass eine Zinserhöhung nötig werden könnte, sollte die Inflation hoch bleiben. Der Markt preist laut CME FedWatch eine Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent für eine Anhebung im September ein.
Diese Gemengelage aus schwachen Jobdaten und restriktiver Notenbank-Kommunikation sorgt für ungewöhnliche Marktreaktionen: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,81 Prozent, den höchsten Stand seit November 2023. Steigende Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten für zinslose Anlagen wie Silber und wirken damit belastend, selbst wenn schwache Konjunkturdaten eigentlich für das Gegenteil sprechen würden.
Verschärfte Lage durch Nahost-Konflikt
Zur Zinsdebatte gesellt sich eine geopolitische Komponente. Militärische Spannungen zwischen den USA und dem Iran, mit Berichten über Angriffe im Bereich der Straße von Hormus, treiben parallel die Ölpreise und damit indirekt auch die Anleiherenditen nach oben. Das befeuert die allgemeine Risikoaversion an den Märkten und lässt auch Edelmetalle nicht unberührt – trotz ihrer traditionellen Rolle als sicherer Hafen bleibt Silber in der aktuellen Gemengelage aus Zinssorgen und geopolitischer Unsicherheit unter Druck.
Auf Wochensicht steht beim Silberpreis ein Minus von 5,0 Prozent, auf Monatssicht dagegen ein Plus von 11 Prozent – ein Beleg für die extreme Schwankungsbreite der vergangenen Wochen. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei 37 Prozent annualisiert, ein für Silber hoher, aber nicht untypischer Wert in Phasen widersprüchlicher Makro-Signale.
Blick auf die kommenden Tage
Anleger richten den Blick nun auf weitere US-Arbeitsmarktdaten: Am Donnerstag stehen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an, am Freitag folgt der offizielle Nonfarm-Payrolls-Bericht für August, für den Ökonomen ein Plus von rund 58.000 Stellen erwarten.
Diese Zahl dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob die Fed ihre angedeutete Zinserhöhung tatsächlich umsetzt – und damit auch, in welche Richtung sich der Silberpreis in den kommenden Handelstagen bewegt.
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