Silber fällt am Freitag um 2,51 Prozent auf 57,77 US-Dollar. Der Rückschlag zeigt, wie stark die Fed-Politik das Edelmetall aktuell im Griff hat. Physisch bleibt der Markt eng, geldpolitisch bläst der Wind kräftig entgegen.
Lagerbestände stabilisieren sich, Trend bleibt fragil
Die COMEX-Silberlager in New York wachsen leicht. Zum 31. Juli 2026 liegen die Gesamtbestände bei 332,8 Millionen Feinunzen. Davon sind 99,7 Millionen Unzen registriert und damit gegen Futures-Kontrakte lieferbar, der Rest gilt als „eligible“.
Das ist ein Zuwachs von 0,6 Millionen Unzen gegenüber dem vorherigen Bericht. Die registrierten Bestände liegen damit höher als 64,1 Prozent aller Tageswerte seit 2020.
Der Kontrast zu den Vorjahren bleibt trotzdem deutlich. Mitte Mai lagen die registrierten Bestände noch bei rund 79,9 Millionen Unzen. Das war ein Rückgang von über 75 Prozent gegenüber den Höchstständen aus dem Jahr 2020. Der jüngste Anstieg auf knapp 100 Millionen Unzen markiert eine gewisse Stabilisierung. Die langfristige Abwärtstendenz kehrt er damit noch nicht um.
Sechstes Defizitjahr in Folge
Der übergeordnete Angebotsengpass bleibt bestehen. Der World Silver Survey 2026 des Silver Institute in Washington prognostiziert ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen. Das wäre bereits das sechste Defizitjahr in Folge.
Seit 2021 zogen Marktteilnehmer laut dem Survey rund 762 Millionen Unzen aus den oberirdischen Beständen ab. Nicht jeder Beobachter bewertet diese Zahl gleich dramatisch. Jeffrey Christian von der CPM Group verweist darauf, dass COMEX- und LBMA-Bestände nur einen kleinen Ausschnitt des Gesamtmarktes zeigen. Der Großteil des Silbers liege in Investorenbeständen oder industriellen Arbeitslagern.
Die gemeldeten Defizite spiegeln laut Christian eher Verschiebungen innerhalb eines breiten Bestandspools wider. Eine tatsächliche Verknappung des verfügbaren Metalls sei daraus nicht zwingend ablesbar.
Fed-Spaltung setzt Silber unter Druck
Die US-Notenbank hält ihre Leitzinsen am Mittwoch zum zweiten Mal unter Fed-Chef Kevin Warsh unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Sitzung offenbart aber die tiefste Spaltung im Offenmarktausschuss seit 2016. Das Gremium stimmt mit 9 zu 3 Stimmen für die Beibehaltung der Zinsspanne.
Fed-Präsidentin Beth Hammack aus Cleveland sowie die Fed-Präsidenten Neel Kashkari aus Minneapolis und Lorie Logan aus Dallas hätten eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt bevorzugt. Diese hawkische Signalwirkung belastet Silber direkt. Die Märkte preisen mittlerweile eine 65-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung im September ein.
Zusätzlich klettern die Anleiherenditen auf ein 19-Jahres-Hoch. Das setzt sowohl Gold als auch Silber unter Druck, während die Inflation eine Unsicherheitsquelle bleibt.
Charttechnik zeigt keine klare Richtung
Der Kurs notiert derzeit 22,14 Prozent unter der 200-Tage-Linie bei 74,20 US-Dollar. Seit dem 24. Juni versucht Silber eine zähe, enge Bodenbildung. Die Bären testen seit Wochen die Unterstützungszone zwischen 55 und 60 US-Dollar, ohne dabei nennenswerte Fortschritte zu erzielen.
Auf der Angebotsseite bleibt die Minenproduktion ein limitierender Faktor. Fresnillo, der weltweit größte Primärsilberproduzent, senkte seine Produktionsprognose für 2026 im Januar um 9 Prozent. Die gesamte Minenversorgung wächst nicht schnell genug, um mit der Nachfrage Schritt zu halten.
Diese strukturelle Angebotsschwäche trifft auf eine Industrienachfrage aus Solartechnik, Elektronik und Elektromobilität. Diese Nachfrage besteht unabhängig von kurzfristigen Preisschwankungen fort.
Kurzfristig entscheidet vor allem die Fed-Sitzung im September über die Richtung. Löst sich die geldpolitische Unsicherheit zugunsten stabiler Zinsen auf, könnte die physische Marktenge wieder stärker in den Vordergrund rücken. Bleibt die Fed dagegen auf restriktivem Kurs, dürfte der Gegenwind für Silber vorerst anhalten.
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