Ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht hat dem Silberpreis neuen Schwung verliehen. Am Freitag schloss das Metall bei 61,45 US-Dollar je Feinunze, ein Tagesplus von 3,07 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von fast 3 Prozent zu Buche. Trotzdem bleibt die Jahresbilanz tief im roten Bereich.
Enttäuschender Arbeitsmarktbericht als Kurstreiber
Am Donnerstag veröffentlichte die US-Regierung die Nonfarm-Payrolls für Juni. Die Wirtschaft schuf nur 57.000 neue Stellen. Erwartet hatten Ökonomen 110.000 Jobs. Die Maidaten wurden zudem von 139.000 auf 129.000 nach unten korrigiert.
Die Lücke zwischen Erwartung und Realität war deutlich. Sie traf die Zinserwartungen unmittelbar. Der US-Dollar steuert nun auf einen Wochenverlust zu, weil Marktteilnehmer eine geldpolitische Straffung zum Jahresende für unwahrscheinlicher halten.
Analysten werten die schwachen Daten als Entlastung für Edelmetalle. Das hawkische Tail-Risiko sinkt spürbar. Die Tonalität am Markt verschiebt sich damit von vorsichtig zu vorsichtig-konstruktiv.
Erholung setzte bereits vor dem Bericht ein
Silber legte schon vor der Veröffentlichung der Jobdaten zu. Fed-Chef Kevin Warsh hatte sich weniger hawkish geäußert als erwartet. Das nahm der Debatte um sofortige Zinserhöhungen etwas Dringlichkeit.
Sinkende Ölpreise halfen zusätzlich. Auch nachlassende Sorgen um die Straße von Hormus stärkten das Metall. Silber gewann damit bereits den dritten Handelstag in Folge und handelte während der asiatischen Session bei rund 60,20 Dollar.
Weitere Konjunkturdaten stützten das Bild einer Abkühlung. Der ADP-Bericht zeigte im Juni nur 98.000 neue private Stellen, statt der erwarteten 113.000. Der ISM Manufacturing PMI fiel auf 53,3, unter dem Konsens von 54,0.
Jahresbilanz bleibt trotz Rally negativ
Die aktuelle Erholung ändert nichts an der Gesamtlage. Silber notiert derzeit rund 15 Prozent unter dem Jahresstart. Zum bisherigen Jahreshoch von 121,78 Dollar, erreicht Ende Januar, fehlen fast 50 Prozent.
Der Grund liegt in einem heftigen Rückschlag zu Jahresbeginn. Silber-Futures erlitten Ende Januar ihren größten Tagesverlust seit den 1980er-Jahren. Der Kurs notiert aktuell auch klar unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten: fast 15 Prozent unter der 50-Tage-Linie, gut 16 Prozent unter der 200-Tage-Linie.
Der RSI liegt bei 40,3. Das deutet auf keine überkaufte, aber auch keine überverkaufte Lage hin. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei knapp 50 Prozent — ein hoher Wert, der die Nervosität im Markt unterstreicht.
Fed-Politik unter neuer Führung im Fokus
Die Notenbank unter Kevin Warsh hat am 17. Juni 2026 den Leitzins zum vierten Mal in Folge unverändert gelassen. Die Spanne bleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Es war die erste Entscheidung unter dem neuen Vorsitzenden, einstimmig getroffen.
Bemerkenswert: Der neue Dot Plot signalisierte erstmals eine mögliche Zinserhöhung statt einer Senkung. Diese hawkische Ausrichtung hatte Silber zuletzt belastet. Erst die schwachen Konjunkturdaten der vergangenen Woche brachten Entspannung.
Die nächste Zinsentscheidung steht am 29. Juli 2026 an. Bis dahin dürfte jeder weitere Konjunkturbericht die Zinserwartungen neu justieren. Silber bleibt in dieser Phase besonders empfindlich für Überraschungen bei US-Wirtschaftsdaten.
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