Silber hat am Freitag im Umfeld höherer Energiepreise und anhaltender Inflationssorgen 6,3% verloren. Reuters zufolge verstärkten diese Faktoren die Erwartung länger hoher US-Zinsen. Zugleich verschlechtert sich nach Einschätzung von Analysten die fundamentale Perspektive: Nachlassende Investmentnachfrage und ein geringerer Silberverbrauch in der Solarindustrie könnten eine Erholung erschweren.

Damit treffen am Silbermarkt zwei Belastungen zusammen. Das Zinsumfeld drückt auf die Attraktivität des unverzinsten Edelmetalls. Gleichzeitig schwinden nach Einschätzung von Metals Focus jene physischen Engpässe, die das Angebot bislang verknappten. Für Anleger reicht der Blick auf die Geldpolitik deshalb nicht aus.

Inflation belastet die Zinsperspektive

Laut dpa-AFX verstärkten Inflationsdaten aus den USA und der Eurozone am Freitag die Erwartungen möglicher Zinserhöhungen durch Fed und EZB im Dezember. Höhere Renditen belasten unverzinste Edelmetalle und damit auch Silber.

Der von der Fed bevorzugte PCE-Preisindex stieg im September laut dpa-AFX auf 3,6 Prozent. Die am Donnerstag veröffentlichten Daten lieferten damit einen weiteren Grund für die restriktiven Zinserwartungen.

Reuters verwies außerdem auf den Ausverkauf bei Technologiewerten als möglichen zusätzlichen Belastungsfaktor. Dieser könnte Zwangsverkäufe und Nachschussforderungen ausgelöst haben. Der jüngste Rückgang lässt sich somit nicht allein mit veränderten Erwartungen zur industriellen Nachfrage erklären.

Metals Focus erwartet weniger Knappheit

Metals Focus erwartet einer am Freitag veröffentlichten Einschätzung zufolge zunächst weitere Schwäche von Silber gegenüber Gold. Das Researchhaus nennt den Abbau physischer Engpässe sowie eine nachlassende Investmentnachfrage. Hinzu kommt ein sinkender Silberverbrauch in der Photovoltaik.

Für 2027 rechnet Metals Focus mit einem Angebotsüberschuss. Diese Prognose stellt eine zusätzliche Belastung für die Aussicht auf eine nachhaltige Preiserholung dar.

Entscheidend ist dabei die Kombination aus Angebot und Nachfrage: Wenn physische Knappheit nachlässt und zugleich weniger Silber nachgefragt wird, fehlt dem Markt eine wichtige Stütze. Eine Entspannung bei den Zinserwartungen würde diese fundamentalen Belastungen nicht automatisch beseitigen.

Erholungsszenario mit Vorbehalten

Sucden Financial nannte am Freitag für die kommenden Wochen eine Unterstützungszone von 50 bis 53 US-Dollar je Feinunze. Der anschließende Rutsch unter diese Zone zeigt, wie stark der kurzfristige Verkaufsdruck ausfiel.

Das Haus verweist ebenfalls auf restriktive US-Geldpolitik und eine schwächere Industrienachfrage, insbesondere aus der Solarindustrie. Trotz dieser Belastungen enthält die Einschätzung ein Erholungsszenario.

Bis Mitte Januar 2027 prognostiziert Sucden einen Anstieg auf 57 bis 60 US-Dollar je Feinunze. Das ist eine Erwartung, keine bestätigte Trendwende. Für eine tragfähige Erholung müssten sowohl der geldpolitische Gegenwind als auch die Sorgen um die Silbernachfrage nachlassen.