Das heutige Diwali-Fest rückt die saisonale Edelmetallnachfrage in Indien in den Blick. Für Silber trifft dieser Nachfragefaktor auf eine offene Angebotsfrage: Für Mitte November ist eine Aktualisierung der Prognose zum weltweiten Marktdefizit angekündigt. Ob die erwartete Versorgungslücke kleiner ausfällt, ist damit ein wichtiger Prüfstein für die weitere Einordnung des Silbermarkts.
Festkäufe treffen auf veränderte Angebotsaussichten
Bereits zum Dhanteras-Fest meldeten Händler rege Käufe im indischen Edelmetallhandel. Darüber berichtete die Economic Times am Freitag. Diwali setzt heute einen weiteren saisonalen Nachfrageakzent. Für Anleger steht damit neben den internationalen Zins- und Währungseinflüssen auch das physische Geschäft in Indien im Mittelpunkt.
Auf der Angebotsseite steht bislang die Prognose von Metals Focus und dem Silver Institute für ein globales Silbermarktdefizit von 46,3 Millionen Unzen im Jahr 2026. Medienberichten vom Freitag zufolge soll Metals Focus inzwischen allerdings mit einer kleineren Lücke rechnen. Eine Aktualisierung wurde für Mitte November in Aussicht gestellt.
Eine geringere Fehlmenge würde das Argument einer knappen Versorgung abschwächen, sofern die angekündigte Überarbeitung diese Einschätzung bestätigt. Die Festnachfrage und die mögliche Prognoseänderung wirken damit in unterschiedliche Richtungen. Für Anleger kommt es darauf an, wie stark die erwartete Knappheit nach der Neubewertung noch ausfällt.
Auch bei den Lagerbeständen gibt es Bewegung. Medienberichten zufolge lag der registrierte Silberbestand an der COMEX am Donnerstag bei 103,65 Millionen Unzen. Seit dem 27. Oktober sanken die als „eligible“ geführten Bestände, während die registrierten Bestände stiegen. Die Entwicklung unterscheidet sich damit zwischen den beiden Bestandskategorien.
Zinsumfeld begrenzt den Rückenwind
Gleichzeitig bleibt das geldpolitische Umfeld ein Gegenpol zur physischen Nachfrage. Reuters berichtete am Freitag über einen wieder anziehenden Ölpreis und verstärkte Inflationssorgen. Die Aussicht auf länger hohe Zinsen belastet unverzinste Edelmetalle und erschwert damit auch die Erholung von Silber.
Trotz dieses Gegenwinds verzeichnete Silber auf Siebentagessicht ein Plus von 5,6%. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 51,88 USD je Feinunze. Die Erholung fiel damit in eine Phase, in der sowohl saisonale Nachfrageimpulse als auch belastende Zinserwartungen den Markt prägten.
Der nächste inhaltliche Prüfstein ist die für Mitte November angekündigte Defizitaktualisierung. Eine bestätigte Verkleinerung der Versorgungslücke würde den Knappheitsargumenten Gewicht nehmen; ein weiterhin ausgeprägtes Defizit würde sie stützen. Bis dahin liefert das indische Festgeschäft einen saisonalen Nachfragefaktor, während Ölpreis und Zinserwartungen den finanziellen Gegenwind bestimmen.
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